Risiko Diskurs - NANOtechnologie

Hier findet ihr eine Unzahl an Links zum weit ausuferndem Risikodiskurs über NANOtechnologie. Darunter auch zwei Texte zum Stand der Rechtslage - siehe unten -.

Auf Grund der Erfahrungen der 70er und 80er Jahren haben Konzerne und Staat längst eine weitreichende Struktur zur Steuerung öffentlicher Debatten über neue Technologien entwickelt. Zum Teil wurde dies auch erzwungen durch Widerstandsbewegungen und ihre Institutionalisierung, z.B. durch die Partei der Grünen.
Diese Strukturen zeichnen sich zum teil dadurch aus, daß sie die emanzipatorische Selbstermächtigung der Menschen sich ein eigenes Urteil, unabhängig von 'Fach'leuten, zu bilden verhindern sollen, zum Teil sollen sie auch nur ein Regulativ bilden. Das heißt aber in beiden Fällen, daß sie sich in der regel gegen basisdemokratisches politisiertes Handeln richten, das auf der Erfahrung von Interessengegensätzen basiert, und Lösungen, die angeblich 'das Beste für Alle' sind, grundsätzlich mißtraut. Demgegenüber wird im Risikodiskurs zumeist ein objektiv für Alle Bestes bzw. Notwendiges postuliert.
Darüber hinaus gibt es aber vielfältige Differenzen in diesem Diskurs, da durch die Institutionalisierung von Teilen des technologiekritischen Widerstandes auch KritikerInnen in diesen Diskursen als 'Fach'leute teilnehmen.
Ausführlicher ist dies ausgeführt im Artikel zu diesem Thema Risikodiskurs NANOtechnologie.

Nicht alle Links haben eine Bezug zu Nanotechnologie, zum Teil ist der Bezug auch nur das Thema Risikodiskurs.
Die Links zur Risikodebatte im Nachfolgendem sind in 4 Unterkapitel eingeteilt:

- Technologiefolgen-Abschätzung, staatliche Stellen und öffentliche Rezeption
Links zu Texten aus dem Bereich staatlicher Stellen, der Technologiefolgen-Abschätzung und der Medienrezeption.


- NANO-Mythologie
Links zu Texten, die mythologische Phantasien, z.B. Unsterblichkeit, Ewige Jugend, usw., im Zusammenhang mit NANOtechnologie propagieren, also eher Teile eines technoreligiösen Diskurses sind.


- Ethifizierung
Links zur Ethikdebatte, die zumindest in nicht unwesentlichen Teilen als Technologie der Entpolitisierung und Irrealisierung funktioniert.


- Diskurstechnologie & Backlash
Links zu Texten, die sich primär mit dem Problem der Risikoverkommunikation, daß heißt meist mit Akzeptanzbeschaffung, im Kontext der Nanotechnologie und anderer Technologien befassen. Und Links zu Texten, die sich verharmlosend oder abwertend mit der Nanotechnologiekritik befassen. Klassisch für solche Texte ist, daß das Problem nicht im realen technischem Risiko gesehen wird sondern in der Risikowahrnehmung der Bevölkerung.









Technologiefolgen-Abschätzung, staatliche Stellen und öffentliche Rezeption

Die Technologiefolgen-Abschätzung ist eine Struktur, die durch die politische Ökologiebewegung durchgesetzt wurde. Der ehemals explizit kritische und emanzipatorische Ansatz ist aber in diesem Prozeß der Etablierung zum Teil verloren gegangen. Technologiefolgen-Abschätzung ist heute beides. Sie ist Instrument der Akzeptanzbeschaffung und Manipulation für fragwürdige industrielle Interessen durch einen ignoranten Technokratismus und gleichzeitig wird sie an anderer Stelle nach wie vor durch kritische WissenschaftlerInnen bestimmt. Zum Teil finden sich in den Publikationen beide Ansätze durchmischt.
Die Zusortierung von Texten zu Kategorien ist immer ein Stück Willkür und hätte auch anders passieren können.

Am Anfang stehen hier Texte des BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung). Das BfR ist für die Bundesrepublik das zentrale Institut für Technologiefolgenabschätzung. Es bewegt sich genau in dem oben bestimmten ambivalenten Rahmen. Publikationen des BfR enthalten sowohl Technikpropaganda, die unkritisch den ‚Stand der Technik' nachbetet ohne die Naturwissenschaften kritisch zu hinterfragen, als auch sehr informative kritische Beiträge zur konkreten technologischen Problemfeldern. Da das BfR indirekt dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Oberste Dienstbehörde des Präsidenten des BfR) untersteht bilden sich die Veränderungen der Bundespolitik in den Publikationen ab.
Vom BfR gibt es eine ganze Reihe Publikationen zum Thema NANOtechnologie zum Teil in Zusammenarbeit mit anderen Bundesinstitutionen.
Hier nur eine Auswahl:



Ausgewählte Fragen und Antworten zur Nanotechnologie
http://www.bfr.bund.de/cd/8552

Hg.: BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) - Berlin - 15. November 2006
Betrachtung der Nanotechnologie aus Sicht weitgehend unkritischer Befürworter, Fragen und Antworten zur NANOtechnologie.



Nanotechnologie: Gesundheits- und Umweltrisiken von Nanopartikeln Entwurf einer Forschungsstrategie
http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/
pdf/nano_forschungsstrategie.pdf


Hg.: BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) - Berlin - August 2006
Text zu notwendigen Forschungsschritten um die Gesundheits- und Umweltrisiken der NANOtechnologie überhaupt adäquat bewerten zu können.



Verbraucherkonferenz Nanotechnologie
http://www.bfr.bund.de/cd/8551

Hg.: BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) - Berlin - 18.11.2006
Die von Staatsseite organisierte VerbraucherInnenkonferenz zeigt die neuen Herrschafts- & Diskurstechniken. Auf der einen Seite wird VerbraucherInnen eine Stimme gegeben, dies geschieht aber in einem sorgsam kontrolliertem Rahmen.



Nanomedizin Jugend Gutachten
http://www.nano-jugend-dialog.de/daten/Nano-Jugend-Gutachten.pdf

Hg.: Münchener Projektgruppe für Sozialforschung e.V. - München - 2008
Siehe oben, für den Jugendialiog gilt das gleiche, wie für die VerbraucherInnenkonferenzen.




Das aber auch regulierte Einbindungen der Bevölkerung in den Diskurs durch organisierte Foren nicht automatisch zu höherer Akzeptanz führen läßt sich an Hand der Berichterstattung über solche Foren in anderen Ländern sehen, bzw. an Nachfolgeaktivitäten der Beteiligten BürgerInnen.




Deklarieren, wo "Nano" drinsteckt
http://www.nccr-nano.org/nccr/media/press_coverage_data
/press_coverage_items/press_item_194/press_item_194.pdf


AutorIn: Barbara Vonarburg - Tagesanzeiger / Lifescience - Zürich - 12.12.2006
'Was Laien von der Nanotechnologie halten, ermittelte eine Bürgerbefragung. Die wenigsten sind bereit, Produkte mit Nanopartikeln unbesehen zu kaufen.'
Bericht über die Ergebnisse der BürgerInnenforen in der Schweiz.



Written Submission from the Citizen's Coalition on Nanotechnology
http://www.nanocafes.org/files/NNCO_CCON.pdf

Hg.: Citizen's Coalition on Nanotechnology - Madison,, Wisconsin, USA - 31. Januar 2007
Forderungen an die Regierung zur Regulierung der Nanotechnologie durch eine Gruppe von BürgerInnen, die sich aus einem BürgerInnenforum in den USA heraus organisiert hat, Nanocafe - http://www.nanocafes.org/blog?page=1 -.



Eine genauere Kritik dieser Formen der Technologiefolgen-Abschätzung findet Ihr im Text Risikodiskurs NANOtechnologie.
Nicht nur vom BfR auch vom Umweltbundesamt, vom Bundestag, diversen Ministerien, internationalen Institutionen und Institutionen anderer Länder gibt es eine Vielzahl von Texten zur Technologiefolgen-Abschätzung zur NANOtechnologie.




TA-Projekt - Nanotechnologie
http://dip.bundestag.de/btd/15/027/1502713.pdf

Hg.: Deutscher Bundestag - Drucksache 15/2713 - Berlin - 2004
Bericht des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgen-Abschätzung des Deutschen Bundestages 15. Wahlperiode. Ein sehr ausführliches Papier (ca. 200 Seiten) mit Informationen zur NANOtechnologie. Zum Teil sind die Texte sehr unkritisch aber hier finden sich zu sehr vielen Bereichen Grundlageninformationen.



Nanotechnik: Chancen und Risiken für Mensch und Umwelt
http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/hintergrund/nanotechnik.pdf

Hg.: Umweltbundesamt - Dessau - August 2006
Ein Text der kurz wesentliche Problembereiche der Nanotechnologie benennt.



Nanoscience and Nanotechnology
http://www.nanotec.org.uk/finalReport.htm

Hg.: Royal Society & The Royal Academy of Engineering - London - July 2004
Dieser in teilen relativ kritische Report, insbesondere bezogen auf das Kapitel 5 zu Gesundheits- und Umweltaspekten, einer hoch angesehen etablierten Wissenschaftsinstitution wird häufig zitiert. Die britische Regierung nahm dies leider nicht zum Anlaß politische Regulierungen zu initiieren, sondern ließ durch regierungsnahe Institutionen eine Art unkritischen Gegenreport erstellen.



Center on Nanotechnology and Society
http://www.nano-and-society.org/

HerausgeberIn: Center on Nanotechnology and Society - Chicago, Illinois, USA - Dauerhafte Netzseite

&


ICON - Internation Center on Nanotechnology
http://icon.rice.edu/

HerausgeberIn: Internation Center on Nanotechnology - Houston, Texas - Dauerhafte Netzseite

&


The Virtual Journal of Nanotechnology Environment, Health and Safety
http://icon.rice.edu/virtualjournal.cfm

HerausgeberIn: Internation Center on Nanotechnology - Houston, Texas - Dauerhafte Netzseite

Drei Seiten mit vielen Infos zur Nanotechnologie einschließlich vieler kritischer Hinweise im Sinne klassischer Technologiefolgen-Abschätzung.



nano RISK
http://www.nanorisk.org/newsletter/Nanorisk_Newsletter.pdf / http://www.nanorisk.org/

HerausgerberInnen: Nanowerk LLC - http://www.nanowerk.com/ - nano RISK, Issue 1, Volume 1 - Honolulu, Haiti, USA - June 2006
Der nano RISK Report gibt aus fachwissenschaftlicher Sicht in der ersten Ausgabe einen kurzen und guten Überblick über Nanomaterialien und ihr technisches Risikopotential.



Ethical and Scietific Issues of Nanotechnology in the Workplace
http://www.ehponline.org/members/2006/9456/9456.pdf

AutorInnen: Paul A. Schulte / Fabio Salamance-Buentello - In: Environmental Health Perspectives, Volume 115, Nr. 1 - Raleigh, North Carolina, USA - January 2007
Ein Text der sich mir Umgang mit durch Nanotechnologie bedingten Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz auseinandersetzt. Deutlich wird auch hier, daß zur Zeit ein Informationsmangel über die tastsächlichen Risiken besteht. Anstatt eines Anwendungsmoratoriums bis zur Abklärung der Risiken tendiert der Text aber dazu durch intensives Gesundheitsmonitoring am Arbeitsplatz Gefahren frühzeitig zu erkennen und zu minimieren.
Ausgehend von hohen akkumulativen Risiken, vergleichbar Asbest, ist ein solcher Ansatz aber nicht tauglich, da erst im Nachhinein festgestellt würde, daß die Belastungen zu hoch waren.



Environmental Defense-DuPont Nano Risk Framework
http://www.environmentaldefense.org/documents/
6496_Nano%20Risk%20Framework.pdf


HerausgeberInnen: Environmental Defense-DuPont Nano Partnership - Washington - June 26, 2007
Der Konzern DuPont und die Umweltorganisation Environmental Defense - http://www.environmentaldefense.org/ - haben zusammen einen Handlungsrahmen für den Umgang mit Nanorisiken entwickelt. Inwieweit dieser Rahmen in der Konzerrealität tatsächlich wirksam ist ist unklar.
Trotzdem liefert dieser Text vielleicht Hinweise für prozessuale Regulierungsmöglichkeiten. Fragen der basisdemokratischen Mitbestimmung der Forschungs- und Technologiepolitik werden nicht berührt. Es geht um technischen Umweltschutz.



Umwelt und Gesundheitsrisiken nanotechnologischer Applikationen
http://e-collection.ethbib.ethz.ch/ecol-pool/semarb/semarb_66.pdf

AutorIn: Phillippe Peter - NSSI Natural and Social Science Interface Nr.29/05, ETH - Zürich - September 2005
Diese Seminararbeit aus der Schweiz gibt einen guten Überblick über Risiken in einzelnen technischen Anwendungen.



Die Texte direkt von Staatsseite, also aus den Ministerien, sind meist nicht so inhaltsreich, wie Texte aus Institutionen, die sich näher am Wissenschaftsbereich definieren. Die Texte sind häufig sehr oberflächlich und unkritisch. Im Regelfall gilt das Texte inhaltsleerer und mehr Technik Propaganda werden je deutlicher sie als Publikationen der Ministerien für die breite Öffentlichkeit bestimmt sind.
Ein typisches Beispiel ist der;




Nano-Initiative Aktionsplan 2010
http://www.bmbf.de/pub/nano_initiative_aktionsplan_2010.pdf

Hg.: BMBF - Berlin - 2006
Propagandabroschüre des BMBF.



Und andere Publikationen desselben Ministerium;




Nanotechnologie, Innovationen für die Welt von morgen -Propagandabroschüre des BMBF
http://www.bmbf.de/pub/nanotechnologie_inno
_fuer_die_welt_v_morgen.pdf


Hg.: BMBF - Berlin - 2006
Noch eine Propagandabroschüre des BMBF.



Nanotechnologie erobert Märkte, Deutsche Zukunftsoffensive für Nanotechnologie
http://www.bmbf.de/pub/nanotechnologie_erobert_maerkte.pdf

Hg.: BMBF - Berlin - 2004
Und noch eine Propagandabroschüre des BMBF.



Trotzdem finden sich auch hier interessante Texte, z.B.;




Synthetische Nanopartikel, Entwicklungschancen im Dialog
http://www.dialog-nanopartikel.de/UWSF_Entwicklungschancen.pdf

AutorInnnen: Frank Claus, Uwe Lahl (BMU) - Publiziert in: Umweltwissenschaften und Schadstoff-Forschung, Zeitschrift für Umweltchemie und Ökotoxikologie - Landsberg - 3/2006
Ein Artikel der kurz aber inhaltsreich auf einige auch rechtliche Unzulänglichkeiten (REACH) bzgl. des Umgangs mit Nanopartikeln eingeht.



Synthetische Nanopartikel Blick auf Umwelt- und Gesundheitsaspekte
http://www.dialog-nanopartikel.de/Synthetische%20
Nanopartikel%20-%20Sachstandsbericht.pdf


Hg. Iku GmbH im Auftrag des Umweltbundesamates - Dortmund - August 2005
Umweltforschungsplan des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit - Eine Ansammlung offener Fragen, die aber viel darüber aussagen, was Alles nicht gewußt wird. Deutlich wird, daß heute schon die Nanotechnik-Industrie sprichwörtlich "Weiter wirft, als sie sehen kann."



Synthetische Nanopartikel, Bericht der Stakeholderbefragung
http://www.dialog-nanopartikel.de/Synthetische%20
Nanopartikel-%20Stakeholderbefragung.pdf


Hg.: Iku GmbH im Auftrag des Umweltbundesamates - Dortmund - September 2005
Viele Fragen zu NANOtechnologie und Umwelt- und Gesundheitsschutz.



Synthetische Nanopartikel. Abschlußbericht
http://www.dialog-nanopartikel.de/Synthetische%20
Nanopartikel%20-%20Abschlussbericht.pdf


Hg.: Iku GmbH im Auftrag des Umweltbundesamates - Dortmund - November 2005
Nochmal viele Fragen.



Stakeholder-Dialog - Synthetische Nanopartikel - Dokumentation "Dialog zur Bewertung von synthetischen Nanopartikeln in Arbeits- und Umweltbereichen"
http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/
pdf/nano_tagg2005_06_tagesdokumentation.pdf


Hg.: Umweltbundesamt, BMU, iku GmbH, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin - Dortmund - Februar 2006
Ein Beispiel für den Risikodiskurs in den hegemonialen Strukturen der Technokratie.



Zum Teil vermischt sich auch ernst zu nehmende Technologiefolgen-Abschätzung mit neuen Herrschafts- & Diskkurstechniken oder mit Science Fiction und NANO-Mythologie;




Utopien und Visionen zur Nanotechnologie
http://www.tab.fzk.de/de/brief/brief24.pdf

In: Hg. Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) - Berlin - Brief Nr. 24/Juni 2003
In diese Text wird zwar der Science Fiction Charakter bestimmter Phantasien betont aber die Literalität nicht begriffen. Auch hier wird die metaphorische Ebene vollständig ausgeblendet, siehe dazu Risikodiskurs NANOtechnologie.



Interessante und inhaltsreiche, zum Teil etwas trockene Texte, gibt es zur Frage der Regulierungs- und Rechtsetzungsfragen, z.B. vom Umweltbundesamt;




Rechtsgutachten Nano-Technologien
www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3198.pdf

Hg.: Umweltbundesamt - Dessau - März 2007
Überblick über die Rechtslage und Handlungsoptionen durchaus kritisch bzgl. NANOtechnologie.



Zum selben Thema findet Ihr auch Broschüren aus dem EU;




The need for and rise of LEGISLATION AND REGULATION caused by the emergence of nanotechnology
http://www.innovationsgesellschaft.ch/images/
publikationen/Regulation.pdf


Hg.: nanoforum.org, European Nanotechnology Gateway, Dauerhafte Netzseite - Düsseldorf - October 2005
Überblick über den Stand der Regulierung von NANOtechnologie in Europa.



Ein Mangel an Publikationen ist wahrhaftig nicht gegeben. Schwieriger ist es mit den Veröffentlichungen einen sinnvollen kritischen Umgang zu finden. Die einzige Möglichkeit ist wohl der Abgleich dieser Texte mit Texten von KritikerInnen und aus der Fachöffentlichkeit.

Im folgenden hier nur noch einige weitere Publikationen. Alles läßt sich unmöglich aufführen, da die Publikationsdichte steigt.




Safety, Risk and Regulation of Engineered Nanoparticles, Results, Trends and Perspectives
http://www.innovationsgesellschaft.ch/images/
publikationen/Schlussbericht5.pdf


Hg.: Innovationsgesellschaft, Schweiz, unterstützt durch diverse staatliche Schweizer Institutionen - St. Gallen - October 2006
Risikodiskurs in der Schweiz.



Nanotechnologies: A Preliminary Risk Analysis on the Basis of a Workshop Organized by the Health and Consumer Protection Directorate General of the European Commission
http://ec.europa.eu/health/ph_risk/documents/ev_20040301_en.pdf

Hg.: European Commission - March 2004
Auch von Seiten der EU gibt es inzwischen diverse Publikationen zum Thema. Die Ambivalenzen sind ähnlich denen der Studien von Seiten der Bundesrepublik.
Zwischen den Zeilen gelesen scheint, daß vor allem eine Ablehnung der Technik durch KonsumentInnen vermieden werden soll, das zentrale Problem zu sein. Die Debatte um reale Risiken wird zum Teil inhaltlich so geführt, daß der Eindruck entsteht, das nicht die realen Gesundheitsschäden, daß zentrale Problem sind, sondern die durch solche Schäden verursachten sekundären wirtschaftlichen Folgern für die NANO-Industrie. Zum Teil sind hier aber auch sehr kritische Texte enthalten.



Nanotechnologie Kleine Teile, grosse Zukunft?
http://www.swissre.com/internet/pwsfilpr.nsf/vwFilebyIDKEYLu/
ULUR-5YNGCZ/$FILE/Publ04_Nanotech_de.pdf


Hg.: Swiss Re - Zürich - 2004
Ein Text zur Technikfolgen-Abschätzung im Bereich NANOtechnologie durch die zweitgrößte Rückversicherungsgesellschaft der Welt. Die Swiß Re hält den Vergleich mit Asbest bzgl. des Risikopotentials der NANOtechnologie für gerechtfertigt.



Aufbauend auf diesen Texten aus dem Bereich der Technologiefolgen-Abschätzung, durchmischt mit NANO-Mythologie und den Reklameversprechen der NANO-Industrie, benennen viele Texte in Zeitungen und anderen Medien zwar ein Teil der Probleme ziehen daraus aber nur teilweise Schlußfolgerungen und formulieren in der Regel keine klaren Forderungen;




Risiken der Nanotechnologie
http://www.wdr.de/radio/wdr2/quintessenz/360926.phtml

Hg.: WDR Quintessenz - Köln - 04.01.07
Typischer Beitrag mit Pro und Contra aber durchaus klaren Hinweisen auf die Risiken.



For Science, Nanotech Poses Big Unknowns
http://www.washingtonpost.com/ac2/wp-dyn/
A1487-2004Jan31?language=printer


AutorIn Rick Weiss - In: Washington Post - Washington - 1 February 2004
Artikel über die Risiken der Nanotechnologie. In diesem Artikel wird sehr deutlich, daß die Risiken die Industrie vor allem deshalb interessieren weil sie die Vermarktung gefährden könnten. Das Problem ist hier also nicht so sehr, was mit den Menschen passiert, sondern primär die Gefahr eines Gewinneinbruches.



The Implications for Health, Safety and the Environment of the Nanotech Revolution
http://www.azonano.com/podcasts/ & http://www.azonano.com/podcasts/nano.mp3

Hg.: AzoNano - Sydney - Februar 2007
Radiobeitrag mit KritikerInnen und BefürworterInnen der NANOtechnologie in Englisch (Total running time 33 mins, File size: 13.4Mb, File Type: mp3).



Chancen und Risiken der Nanotechnologie. Schöne neue Welt?
http://www.gsf.de/neu/Aktuelles/Zeitschriften/Aerosole/54-57_web.pdf

HerausgeberIn: GSF Forschungszentrum - in: Großes Netzwerk für kleine Teilchen, Aerosolforschung in der GSF, S. 54 bis 57 - Broschüre - Neuherberg - 2005
Beitrag über CHancen und Risiken der Nanotechnologie.



Nanotechnologie - Mikroriskant?
http://www.faz.net/s/Rub7F74ED2FDF2B439794CC2D664921E7FF/
Doc~E181449DD27514BC58D8A157DC25A1951~ATpl~
Ecommon~Scontent.html


AutorIn: Manfred Lindinger - Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 239 / Seite N1 - Frankfurt a.M. - 15.10.2003
Beitrag in der FAZ zu den Risiken der Nanotechnologie.



Warten auf Big Bang
http://www.freitag.de/2003/32/03321801.php

AutorIn: Florianne Koechlin - Freitag 32 - Berlin - 01.08.2003
Floriane Koechlin arbeitet schon länger kritisch zu den Folgen der Biotechnologie (Blauen Institut). Zum Teil übernimmt sie aber zu unkritisch die Machbarkeitsphantasien der NaturwissenschaftlerInnen.



Nanotechnologie: Forscher fordern, Chancen und Risiken abzuwägen
http://www.k-online.de/cipp/md_k/custom/pub/content,lang,1/
oid,9080/ticket,g_u_e_s_t/~/Nanotechnologie_Forscher
_fordern_Chancen_und_Risiken_abzuwaegen.html


HerausgeberIn: Messe Düsseldorf GmbH, Internationale Messe für Kunststoff und Kautschuk - www.k-online.de - Internetpublikation - 16.10.2007
Eine Kurzarstellung des Öko-Instituts Freiburg.



déjà vu: die neue nanotech-debatte
http://www.km21.org/23rd-century/nanodebatte_0703.html

AutorIn: Niels Boeing - Hamburg - Juli 2003
Der ‚kritische' Journalist glänzt hier durch etwas sehr viel Technikgläubigkeit und die teilweise Übernahme der Kriterien der Technokratie, die eben wesentliche Aspekte der Verwicklung in Herrschafts- und Machtverhältnisse und die eigene Phantasieproduktion ausblenden. Es ist halt gerade ein Problem Beurteilungen Fachleuten zu überlassen wie dies Greenpeace tut.



Ein Teil der publizierte Artikel bespricht aber auch sehr explizit und inhaltsreich die Risiken der Nanotechnologie;




For Science, Nanotech Poses Big Unknowns
http://www.washingtonpost.com/ac2/wp-dyn/A1487-2004Jan31?language=printer

AutorIn: Rick Weiß - In: Washington Post; Page A01 - Washington - February 1, 2004
Ein Artikel der relativ ausführlich Risiken diskutiert.



Nanotechnology Linked to Organ Damage - Study
http://www.mindfully.org/Technology/2004/
Nanotech-Organ-Damage29mar04.htm


AutorIn: Rick Weiß - In: Washington Post - Washington - March 29, 2004
Ein Artikel der sich mit einer fachwissenschaftlichen Studie zu Risiken der NANOtechnologie auseinandersetzt.



Andere Artikel wiederum setzen sich in großen Teilen mit der NANO-Mythologie auseinander bzw. reproduzieren die Mythen;




Anschwellender Bocksgesang
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/14/14162/1.html

AutorIn: Philipp Grätzel von Grätz - telepolis - Hannover - 12.02.2003
Zwar geht der Autor noch halbwegs kritisch mit den Mythen um reproduziert sie aber trotzdem zum Teil.



Zum Teil werden hier auch einfache Propagandabehauptungen übernomen, z.B. "die NANO-Medizin wird Krebs besiegen" oder "die NANO-Industrie wird Wohlstand für alle bringen". Obwohl an sich inzwischen auch jeder Journalistin und jedem Journalisten die Wiederholung der immer gleichen Versprechen bezogen auf die je aktuellste Sau, die durchs Dorf getrieben wird, suspekt sein müßte.
Und zur Zeit ist es halt die NANO-Sau, die alle Probleme lösen soll.
Aber auch in diesen Artikeln findet sich manchmal Kritik;




Der unsichtbare Boom
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hiwi/406075/

Hg.: Deutschlandfunk - Hintergrund Wirtschaft - 14.08.2005
Ein typischer Beitrag in dem Versprechungen der WissenschaftlerInnen unreflektiert wiederholt werden.



Heftige Diskussion um Nanotechnologie I & II
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/16/16709/1.html & http://www.heise.de/tp/r4/artikel/16/16710/1.html

AutorIn Andrea Naica-Lobell - telepolis - Hannover - 9./10.4.2004
Auch in diesem Teils kritischen Beitrag werden viele Versprechungen der WissenschaftlerInnen unkritisch wiederholt als wären es zu erwartende Tatsachen.



Deutschland ist Spitzenreiter bei Nanotechnologie
http://www.welt.de/print-wams/article123928/
Deutschland_ist_Spitzenreiter_bei_Nanotechnologie.html


AutorIn: Torsten Schubert - In: Welt am Sonntag - Berlin - 16.3.2003
Ein typischer Artikel für die unkritische Feier der 'Fortschritts'technologie.



Die Revolution im Nano-Kosmos
http://www.welt.de/print-wams/article604602/
Die_Revolution_im_Nano-Kosmos.html


Autorin: Torsten Gerber - In: Die Welt - Berlin - 23.6.2002
Noch eine Feier des 'Fortschritts'.



Green chemistry and the health implications of nanoparticles
http://www.nanovic.com.au/downloads/
Health_Implications_of_Nanoparticles.pdf


AutorInnen: Matthew A. Albrecht, Cameron W. Evans, Colin L. Raston - In: Green Chemistry, Seite 417 bis 432 - Cambridge/UK - 8/2006
Ein typischer Artikel der fachlich interessante Aspekte der Risiken benennt gleichzeitig aber durch Ignoranz und Technikgläubigkeit ausgezeichnet ist, als hätten sich nicht die meisten Versprechungen der letzten technischen Revolutionen (‚Künstliche Intelligenz', ‚Genetik') als ignoranter Unsinn erwiesen bzw. als Technologien, die vor allem zur Durchsetzung von Konzerninteressen dienen.



Die Ignoranz von TechnikwissenschaftlerInnen gegenüber soziawissenschaftlichen, politischen und psychologischen Erkenntnissen ist politisch ein Problem, da sie dazu führt, daß NaturwissenschaftlerInnen und TechnikerInnen blind für die Folgen ihres Handelns handeln. In diesem Sinn finden technische und naturwissenschaftliche Entwicklungen in einem Raum statt der als unaufgeklärt, also vom Gedanken kritischer Aufklärung unberührt, bezeichnet werden muß. Die Aufklärung hat die Technik- und Naturwissenschaften selbst bis heute nicht erreicht, sie bewegen sich nach wie vor im Feld der abergläubischen Vorurteile und des Dogmatismus, soweit es um ihre gesellschaftlichen Auswirkungen geht.
Typisch zeigt sich dies z.B. im Umgang mit der Kategorie Geschlecht oder einem Begriff wie Geschlechtsidentität, die in vollständig Naivität von den meisten NaturwissenschaftlerInnen als biologische Tatsachen gefaßt werden. Die vielfältige wissenschaftlich kritische Forschung zum Thema wird schlichtweg mißachtet, z.B. Ergebnisse der ethnomethodologischen Forschung;
Ed. Andrea Cornwall, Nancy Lindisfarne - Dislocating Masculinity - Routledge - London - 1994
Ed. Diane Bell, Pat Caplan, and Wazir Jahan Karim - Gendered fields: women, men and ethnography - Routledge - London - 1993
Diese Ignoranz gegenüber der eigenen Verstricktheit in Machtdiskurse führt dazu das TechnikwissenschaftlerInnen heute durch die Reproduktion altbackener Stereotype primär Herrschaftstechnologie produzieren ohne überhaupt darüber nachzudenken.

Zum Risikodiskurs um NANOtechnologie findet Ihr im Netz noch viel mehr Texte, z.B. unter;




Nanotechnologie, Texte & Infos zu einer überfälligen gesellschaftlichen Debatte
http://www.lifeinfo.de/inh2./nanotechnologie.html

Hg.: Paul Nellen - Deutschland - Dauerhafte Netzseite
Blog zu NANOtechnologiekritik.



Nanotechnology. What is nanotechnology? What are the hazards associated with it?
http://www.ohsrep.org.au/index.cfm?section=10&Category=103
&viewmode=content&contentid=682


Hg.: Victorian Trades Hall Council's (VTHC) Occupational Health and Safety Unit - Carlton South - Dauerhafte Netzseite
Text über NANOtechnologie mit einer Reihe Links zu vielen weiteren Informationsquellen.



Nano! Nanu?
http://www.nccr-nano.org/nccr/media/brochures/
TA_Swiss_nano_nano_d.pdf


HerausgeberIn: Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung, TA-SWISS - Bern - Juli 2006
Schweizer Informationsbroschüre die positiven Möglichkeiten teils sehr technologiegläubig ausbreitet, aber auch Risiken benennt.








NANO-Mythologie

Viele Publikationen zu NANOtechnologie befassen sich primär mit meist männlichen Allmachtsphantasien statt mit realer Technikentwicklung. Im folgenden eine Auswahl an Links zu diesen Mythen der NANOtechnologie. Auf den meisten Seiten findet sich aber eine Mischung realer Technologieentwicklungen mit Phantasieprodukten. Auch hier gilt, die Zusortierung von Texten zu Kategorien ist immer ein Stück Willkür und hätte auch anders passieren können.



Foresight Institut
http://www.foresight.org/

Hg.: Foresight Nanotech Institute - Menlo Park, Kalifornien, USA - Dauerhafte Netzseite
Das Foresight Institut ist eine der zentralen Propaganda-Agenturen für unkritische Verwendung der Nanotechnologie. Hier findet Ihr Links zu fast allen wesentlichen Einrichtungen pro Nanotechnologie. Und eine Unmenge an Informationen zu den aktuellen Vorstellungen und Zielen der NanowissenschaftlerInnen.
Die Seiten des Forsight Instituts sind leider teils etwas unübersichtlich. Empfehlenswert ist über die Suchroutine gezielt nach Stichwörtern zu suchen.
So findet Ihr z.B. unter ‚Art' die Nanomedicine Art Gallery.
Totalitäre ‚Kunst' funktioniert zum Teil über das ansprechen und die Reproduktion banaler Klischees und Stereotype, also Kitsch ohne ironische Brechung und die Ausblendung komplexer gesellschaftliche Verhältnisse. Für die Gentechnologiepropagandakunst wurden ähnliche Funktionsmechanismen festgestellt;
Renate Lorenz - Abwerten (bio)technologischer Annahmen - Zürich - 1994 - http://www.thealit.de/lab/LIFE/LIFEarchiv/ar_09_2.htm -.
Auch für die vom Foresight Institut publizierte Nanotech'kunst' ist diese Kritik, schaue ich mir die Beispiele, an offensichtlich, siehe z.B;
Erik Victor - Hawkesbury, Ontario, Canada - http://www.foresight.org/Nanomedicine/Gallery/Artist/Viktor.html -,
Derek Lea - Tiny Tech - Toronto, Ontario, Canada - 2000 - http://www.foresight.org/Nanomedicine/Gallery/Captions/Image156.html -,
bzw. Forsight Nanomedicine Art Gallery - http://www.foresight.org/Nanomedicine/Gallery/ -.
Als pupertierender männlicher Jugendlicher hängt man sich so was vielleicht übers Bett, hier publiziert sagt es aber vor allem etwas aus über die überwiegend männlichen Forscher, die offensichtlich dieses Stadium der Pubertät bis heute nicht überwunden haben und dies ernsthaft als Kunst bezeichnen.
Der Umgang mit Bildern in der Nanotechnologie wird inzwischen auch im Wissenschaftskontext thematisiert - http://www.uni-bielefeld.de/ZIF/AG/2005/05-11-Nordmann-review.pdf & http://www.zit.tu-darmstadt.de/cipp/tudzit/lib/all/lob/return_
download,ticket,guest/bid,1280/check_table,
it_chap_downl_embed/~/loesch.pdf
-.
Für KritikerInnen ist die Seite des Foresight Institut gegen den Strich gelesen eine wahre Fundgrube.



Grundsätzlich gilt, daß nur ein sehr kleiner Teil der Dinge, die WissenschaftlerInnen in solchen populären Foren behaupten, tatsächlich realisierbar ist. Das meiste wird sich auch hier primär als heterosexistisches Größenphantasma männlicher und auch einiger weniger weiblicher Möchtegerntechnikgötter und -göttinen herausstellen.
Die Rettung der Welt, von der Lösung der Welternährungsfrage, über eine schöne neue Warenwelt für Alle, bis hin zur Verbesserung des Menschen selbst durch Implantate, wird auch die Nanotechnologie nicht bewirken. Im Gegenteil die Realität wird wieder einmal sehr viel trivialer und (umwelt)verschmutzender aussehen, da auch Nanotechnologie vor allem eins ist, Technologie, die entwickelt wird, um die Profite weniger Großkonzerne und ihrer InhaberInnen abzusichern. Und dies wird nicht zur Verbesserung der Lebensverhältnisse Aller beitragen, sondern unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen zur weiteren Spaltung der Gesellschaft führen.
Das NanowissenschaftlerInnen sich gegenüber diesen Realitäten in Phantasiewelten flüchten ist verständlich, aber ein Ausweichen vor der eigenen Verantwortlichkeit für das technische Handeln, und dient sowohl der Flucht davor, die eigene MittäterInnenschaft zu sehen, als auch der Legitimation nach Außen um öffentliche Mittel zur großzügigen Finanzierung von Karrierestellen zu akquirieren. Außerdem leben hier männliche Wissenschaftler durch Phantasien der Geburt neuer überlegner Kunstwesen ihren Gebärneid und andere Stereotype aus. Real ist dies trivialer Weise nicht umsetzbar, siehe dazu auch Risikodiskurs NANOtechnologie.

Nanotechnologie könnte, falls die Ziele, der von der Gesellschaft finanzierten Forschung, basisdemokratisch von den Betroffenen bestimmt würden dabei tatsächlich einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Menschen bedeuten, z.B. bei der Erhöhung der Energieeffizienz bei Produktionsabläufen oder der Verringerung des Materialaufwandes. Die Einführung dieser Technologien würde dann aber bewußt verlangsamt erfolgen um aus der Erfahrung in kleinräumigen Anwendungen überhaupt erst einmal ausreichend Informationen über Risiken zu erhalten. Außerdem würde dies voraussetzen daß NanowissenschaftlerInnen sich von ihren Größenphantasmen verabschieden und anfangen kleine realistische Anwendungsmöglichkeiten in den Vordergrund zu stellen, statt sich selbst als neue GöttInnen zu installieren.
Die Lösung der grundlegenden Probleme, unter denen Menschen heute leiden, z.B. Hunger, wird nur durch gemeinsame erkämpfte gesellschaftlich-politische Lösungen möglich sein. Schon heute werden ausreichend Nahrungsmittel produziert. Technologie kann hier höchstens einen kleinen Beitrag dazu leisten.




Nanofactory Product Catalog (NPC)
http://nano-catalog.com/categoryindex.html

Hg.: Michael S. Deering - Navarre; Florida, USA - Dauerhafte Netzseite
In der Nähe zum Science Fiction bewegen sich diverse Kleingruppen mit ihren Phantasien über die Welt von Morgen. Zwar gibt diese Sichtweise nicht den gesellschaftlichen Mainstream wieder, in zugespitzter Form werden hier aber doch viele allgemeingesellschaftliche Phantasien als NANO-Phantasien aufgegriffen. Die Bedeutung z.B. für die 'Kunst'szene ist nicht zu unterschätzen.
Beispiele findet Ihr auf der Netzseite der Nanotechnology Art Gallery - http://www.nanotech-now.com/nanotechnology-art-gallery.htm -.
Die 'Kunst' dient dabei gleichzeitig als Propagandainstrument der Technik.
Der Herausgeber des Nanofactory Product Catalog Michael S. Deering ist Teil der transhumanistischen Bewegung, zusammen mit einigen anderen TranshumanistInnen bildet er die Singularity Action Group - http://home.mchsi.com/~deering9/ -.
Auf deren Netzseite findet Ihr folgendes Zitat;
'The Singularity Action Group was formed to address the social transition of the Singularity. The Singularity will herald the beginning of a new age in which physical and mental perfection will be the norm along with unimaginable wealth and freedom.'
Bleibt die Frage in welchen Lagern TranshumanistInnen die Menschen aussortieren wollen, die dieser Norm nicht entsprechen wollen oder können?



Warum die Zukunft uns nicht braucht
http://www.lifeinfo.de/inh2./Nanotechnologie/
Nano_Versand.PDF/Pandora.PDF
& http://www.wired.com/wired/archive/8.04/joy_pr.html

AutorIn: Bill Joy - In: FAZ, Seite 49 - Nr. 130/6. Juni 2000
& Englisches Original - In: Wired - New York - April 2000
Der Heilsmythologie entspricht natürlich auch eine NANO-Unheilsmythologie. Bill Joy (William Nelson Joy), der im Bereich NANO-Unheilsmythologie vermutlich meist zitierte Autor ist einer der Päpste der Computertechnologie und gilt wohl deshalb als besonders glaubwürdig.



Dangers of Molecular Manufacturing
http://www.crnano.org/dangers.htm

Hg: Center for Responsible Nanotechnology - Brooklyn, New York - Dauerhafte Netzseite
Auch im Bereich der Technologiefolgensabschätzung finden zum Teil die Mythen der NANO-Wissenschaften Einlaß. Am beliebtesten ist dabei das Grey-Goo-Szenario.
Wobei das CRN auch transhumanistischen Ideen nahe steht.



Nanoerlösung oder Nanoarmagedon? Technikethik im christlichen Fundamentalismus
http://www.joachimschummer.net/papers/2006_Nano
Theology_Nordmann-et-al.pdf


AutorIn: Joachim Schummer - In. Nanotechnologien im Kontext - Hg. A. Nordmann, J. Schummer, A. Schwarz Akademische Verlagsgesellschaft - Berlin - 2006
Der Text liefert eine interessante Analyse der kulturell-religiösen Hintergründe der NANO-Mythologie.



NANO-Reisen Abenteuer hinterm Komma
http://www.nanoreisen.de/

Hg.: VDI-Technologiezentrum GmbH - Düsseldorf - ca. 2005
Wichtiger als die direkt an Science Fiction anknüpfende Mythologie ist aber vermutlich die Propaganda, die in der Populärwissenschaft betrieben wird. Hier wird grundsätzlich ein Verstehen vorgegaukelt und mit modernen virtuellen animierten Bildchen den BetrachterInnen NANO-Wissenschaft als Welterklärung verkauft.
Typisch dafür ist diese virtuell animierte Reise in den Nano'kosmos'. Bei derartigen Darstellungen fragt mensch sich immer, wozu überhaupt noch geforscht wird, wenn die NaturwissenschaftlerInnen doch Alles schon so genau wissen.
Anstatt die Kritikfähigkeit, als wichtigste naturwissenschaftliche Qualifikation zu fördern, wird mit solchem Propagandamaterial Naturwissenschaft als Religionsersatz, die uns die ‚Wahrheit' über die Welt sagt, konstruiert.
Dies ist ein grundsätzliches Problem, das durch moderne Präsentationsformen wesentlich verschärft wurde. Die klassische Präsentation in Schaukästen und durch Texte erzeugte eine Distanz, die einem wissenschaftlichen kritischen Umgang letztendlich förderlich war. Virtuelle Bilder gaukeln hingegen ein Verstehen vor im Sinne, "Aha so sieht das aus, so ist das".
Auch unkritische NANO-‚Kunst' wird so zum ideologischen Propagandainstrument für die technokratische Weltsicht, insbesondere natürlich falls sie auch noch gezielt auf Kinder angesetzt wird;
Stefan Lovgren - National Geographic News - Washington - December 23, 2003 - Can Art Make Nanotechnology Easier to Understand? - http://news.nationalgeographic.com/news/2003/
12/1223_031223_nanotechnology.html
-
NANO, Austellung im Los Angeles County Museum of Art's Boone Children's Gallery - Los Angeles - 2003/2004 - http://nano.arts.ucla.edu/index2.php -.








Ethifizierung

Ethikdiskurse verlagern die politische Auseinandersetzung, die Analyse von Interessengegensätzen, auf ein Feld moralischer Fragen. Damit wird eine Art gemeinsames einheitliches bzw. übergeordnetes Interesse implizit postuliert, daß Handlungsanweisungen für richtiges und falsches Handeln hervorbringen soll. Dieses übergeordnete Interesse ist aber im Regelfall nichts anderes als die Reproduktion bestehender Macht- und Herrschaftsverhältnisse, die ja hier und heute gerade bestimmen, was als gültig gilt, und die Handlungsanweisungen führen entsprechend oft zur Zuspitzung von Unterdrückungs- und Ausbeutungsverhältnissen. Insbesondere wird die Technomythologie ungefragt als Realität übernommen und nicht selten dabei ein transhumanistisches Menschenbild reproduziert. Siehe dazu Risikodiskurs NANOtechnologie.
Aber auch hier gibt es natürlich Ausnahmen.
Und auch hier gilt, die Zusortierung von Texten zu Kategorien ist immer ein Stück Willkür und hätte auch anders passieren können.




Ethische Aspekte der Nanotechnologie. Eine Felderkundug
http://www.itas.fzk.de/tatup/042/grun04a.htm

AutorIn: Armin Grunwald, ITAS - Technikfolgenabschätzung, Nr. 2, 13. Jahrgang, S. 71 bis 78 - Karlsruhe - Juni 2004
Der Text ist ein geradezu typisches Beispiel zwar werden auch Teile der realen Risiken von Nanotechnologie benannt, wesentliche Bereiche des Zusammenwirkens mit bestehenden Herrschaftsverhältnissen und ihrer Reproduktion bleiben aber ausgeblendet.
Implizit vertritt der Text eine transhumanistische Ideologie. Denn nur unter der transhumanistischen Annahme, daß komplexe menschliche Handlungen maschinell im Nanokosmos erklärbar sind, macht es Sinn davon auszugehen, es könnte die zwar unwahrscheinliche aber doch nicht auszuschließende theoretische Möglichkeit bestehen, durch nanotechnologische "Leistungssteigerungen" beim Menschen zu einer "neuen Renaissance" der Menschheitsentwicklung zu kommen, wie dies im Text gesagt wird.
Anstatt diese Phantasmendiskurse, als das was sie sind, zu kritisieren und in ihrer biopolitischen Funktion zu analysieren, siehe hierzu Risikodiskurs NANOtechnologie, erhalten sie durch solche Texte höhere ethische Weihen.
Damit wird ein zentraler impliziter Programmpunkt, der sich in vielen Ethikpublikationen wiederfindet, deutlich. Die Ethikinstitutionen dienen heute in ihrer Mehrzahl als biopolitische Agenturen zur Durchsetzung eines neuen transhumanistischen Menschenbildes, in dem sie die diskursive Anschlußfähigkeit dieser Ideologie an das ‚alte' humanistische Menschenbild sicherstellen. Der Ethikdiskurs ist in einem nicht vernachlässigbaren Umfang Teil der Technologien zur Modernisierung des Subjektes.
Dabei ist dieser Text noch sehr gemäßigt.



Nanotechnologie in der Medizin als Gegenstand ethischer Reflexion: Problemfelder, Herausforderungen, Implikationen
http://www.zit.tu-darmstadt.de/cipp/tudzit/lib/all/lob/
return_download,ticket,guest/bid,1287/check_table,it
_chap_downl_embed/~/baumgartner.pdf
bzw im Google-Cache

AutorIn: Christoph Baumgartner, Fakultät für Theologie, Universität Utrecht - In. Nanotechnologien im Kontext - Hg. A. Nordmann, J. Schummer, A. Schwarz Akademische Verlagsgesellschaft - Berlin - 2006
'Die für lebendige Organismen maßgeblichen Prozesse spielen sich wesentlich im Nanometermaßstab ab.'
Mit 'lebendigen Organismen' sind hier auch Menschen gemeint. Diese radikal transhumanistische Position stellt der Autor an den Anfang seines Textes direkt im Anschluß an die Einleitung. Obwohl der Text im weiteren durchaus auch differenziertere kritische Töne anschlägt wird diese Grundannahme nicht hinterfragt.
Damit verweist auch dieser Text wiederum auf die Funktion der Ethikinstitutionen als biopolitische Agenturen zur Durchsetzung eines an bestehende Subjektdiskurse anschlußfähigen transhumanistischen Menschenbildes.
Das Buch gibt es auch zum herunterladen mit weiteren interessanten Texten, sucht einfach mit Google nach "Nanotechnologien im Kontext" Zentrum für interdisziplinäre Technikforschung, oder versucht - http://www.zit.tu-darmstadt.de/cipp/tudzit/custom/pub/content
,lang,1/oid,959/ticket,guest
-.



Ethische Aspekte der Nanotechnologie
http://www.izew.uni-tuebingen.de/pdf/
dossier_nanotechnologie_2007.pdf


Bearbeitung: Stefan Gammel - Dossier - Interfakultäres Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW), Eberhard Karls Universität Tübingen - Tübingen - März 2007
Auch dieser Text übernimmt trotz Wissen um die Kritik an den Phantasmen der NANOtechnologie diese in die Diskussion. Zum Teil erfaßt der Text aber auch reale Probleme und den Kontext von Herrschaftsverhältnissen.



Making the human-machine-interface specific: - Ethical, legal and social aspects of implants and neurobionics -
http://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/bioethik/
archiv/protokoll__final.pdf


Joint-venture workshop from Nanobio-RAISE and Nano2Life organized by the Centre of Bioethics at Münster University (Germany) - Schloss Wilkinghege - 19. bis 21 Januar 2006
Auch in diesen Texten werden die Nanophantasmen wieder weitestgehend unkritisch als reale Optionen diskutiert und nicht als Ideologieproduktion.



The nanoethics group
http://www.nanoethics.org/aboutus.html

Hg.: The Nanoethics Group, California Polytechnic University (Cal Poly), San Luis Obispo - Dauerhafte Netzseite
Noch eine typische Netzseite zur Auseinandersetzung mit NANOtechnologie Zwar werden ein ganz Teil der technischen Risiken benannt, eine Diskursanalyse der NANOphantasmen und ihrer ideologischen Auswirkung in der Gesellschaft findet aber auch hier nicht statt.



Ethische Aspekte der Nanotechnologie
http://www.ekd.de/akzente14.pdf

Hg.: Institut Kirche und Gesellschaft - Iserlohn - Mai 2007
Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten in der EKD (Evangelische Kirche Deutschland) primär bezogen auf Folgen für die Ökologie und das Menschenbild. Eine Betrachtung unter herrschaftskritischen Gesichtspunkten findet auch hier nicht statt.








Diskurstechnologie & Backlash

Inzwischen gibt es eine nicht geringe Menge an Publikationen, die sich teilweise oder ausschließlich mit dem Techniken der Risikokommunikation befassen. Dabei geht es in der Regel nicht darum, basisdemokratische partizipatorische Möglichkeiten der Technologieentwicklung zu entwickeln, sondern um, Techniken zur Beherrschung der öffentlichen Meinung in Krisensituationen, also um Machttechnologien.
Zum Teil werden diese Diskurse auch selbst direkt als Machttechnik eingesetzt und Widerstand wird primär zu einem gruppenpsychologisches Problem der Fehlwahrnehmung von Risiken erklärt.
Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen.
Und auch hier gilt, die Zusortierung von Texten zu Kategorien ist immer ein Stück Willkür und hätte auch anders passieren können.

Die unterschiedlichen Publikationen haben dabei durchaus sehr unterschiedliche Funktionen.
Zum Teil geht es einfach um eine Darstellung des Standes der Debatte um Risiken in der NANOtechnologie. Dies gilt z.B. für eine Reihe von Publikationen des Nanologue-Projektes.




Nanologue Mapping Study & Appendix / Background Paper & Apendix
http://www.nanologue.net/custom/user/Downloads/
NanologueMappingStudy.pdf

http://www.nanologue.net/custom/user/Downloads/
NanologueMappingStudyAppendix.pdf

http://www.nanologue.net/custom/user/Downloads/
NanologueMappingStudyAppendix.pdf

http://www.nanologue.net/custom/user/Downloads/
NanologueBackgroundPaperAppendix.pdf


Hg. Wuppertal Institut for Climate, Environment and Energy - Wuppertal - September 2005
'Summary of key findings from a literature study on ethical, legal and social aspects of nanotechnologies.'
Der Text gibt einen kurzen Überblick über unterschiedliche auch kritische Institutionen und ihre Aussagen zur NANOtechnologie und im Backgroundpaper einen Überblick über einige Anwendungsmöglichkeiten und Kritiken.



Survey of Nanotechnology Governance - The Role of Government / The Role of Industry / the Role of NGOs / White Paper
http://www.nsf.gov/crssprgm/nano/reports/wgn06-0124.pdf
http://www.nsf.gov/crssprgm/nano/reports/
wgn06-0401_survey_nanotech_governance.pdf

http://www.nsf.gov/crssprgm/nano/reports/
wgn06-0401_survey_by_roco_litten.pdf


Hg.: IRGC - A href="http://www.irgc.org/" target="_blank" title="Externer Link, eine inhaltliche verantwortung wird nicht übernommen!">http://www.irgc.org/ - International Risk Governance Council - Geneva - April 2006
Auch diese Publikationen des IRGC geben primär einen Überblick über die aktuelle Situation und die Einschätzungen der Situation von Seiten der Regierungen, der Industrie und der Nichtregierungsorganisationen.



Overview of completed and ongoing activities in the field: Safety and Risks of Nanotechnology
http://www.infonano.de/media/document/34_941nanosafety-by-ch.pdf

AutorInnen: Dr. Franz Dürrenberger / Karl Höhener, Themas AG - Arbon, Schweiz - 15.1.2004
Ein Überblick über Publikationen zum Thema Risiken der Nanotechnologie primär bezogen auf Publikationen von Regierungen und NGO.



Zum Teil geht es um die Diskussion von Diskursstrategien. In den seltensten Fällen passiert dies mit einem kritischen emanzipatorischen Bewußtsein, die Regel ist eher die Diskussion moderner Krisenmarketingstrategien.
Zuerst hier zwei kritischere Texte;




Informationskrieger: PR-Agenturen im Dienst von multinationalen Konzernen und Lobbyverbänden, von Regierungen, Militär und Geheimdiensten
http://www.hybridvideotracks.org/archiv/pr_text2.pdf

Hg.: hybrid video tracks - Berlin - 2001
Ein sehr informativer Text zur Kritik der Rollen von PR-Agenturwen in politischen Auseinandersetzungen. Einer der wenigen kritischen Texte zum Thema.
Auf der Netzseite von hybrid video tracks - http://www.hybridvideotracks.org/2001/archiv.html - findet Ihr auch noch weitere interessante Texte zum Thema Medienkritik und Alternativen Medien.



Governance von Zukunftsversprechen: Zur politischen Ökonomie der Nanotechnologie
http://www.linksnet.de/artikel.php?id=2827

AutorIn: Petra Schaper-Rinkel - Prokla - Berlin - 16.01.2007
Zwar ist auch dieser Text nur bedingt kritisch und reproduziert auch Teile der NANO-Mythologie. Es ist aber der einer der ganz wenigen Texte die auf hohem Niveau eine Diskursanalyse der NANOtechnologiediskurse betreiben.
Petra Schaper-Rinkel betreibt auch in Berlin nano-polis ein Institut für Innovationsgestaltung im Nanozeitalter - http://www.nano-polis.de/ -. Leider bleibt die inhaltliche Qualität dieser Netzseite weit hinter dem Text zurück.



Management von Risiko- und Krisenkommunikation - zur Bestandserhaltung und Anschlußfähigkeit von Kommunikationssystemen
http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/
schulz-juergen-2001-02-19/PDF/Schulz.pdf


AutorIn: Jürgen Schultz - Dissertation Humboldt Universität - Berlin - 2001
Eine Dissertation die kritisch gelesen eine Vielzahl an Informationen zu aktuellen Fragen der Krisenkommunikation und PR-Strategien enthält.
Abstrahiert mensch vom Balast der Luhmannschen Systemtheorie wird auch klar, daß es nicht nur keinen gesamtgesellschaftlichen Konsens in vielen Fragen geben kann sondern auch kein objektives übergeordnetes Interesse oder Wahrheitskriterium. Öffentlichkeitsarbeit ist häufig ein Kampf zwischen unterschiedlichen Interessengruppen, deren Interessen real nicht übereinstimmen. Dies gilt insbesondere für die PR-Strategien und Werbekampagnen von Unternehmen, die schließlich von den Interessen des Unternehmens bestimmt werden, die in der Regel durch die kurz oder langfristige Profitmaximierung vorgegeben sind und durch die Vorurteile der EignerInnen und ManagerInnen.
Die Unfähigkeit der Luhmannschen Theorie Herrschafts- und Machtverhältnissen zu begreifen führt in diesem Zusammenhang aber dazu, daß implizit vom Autor doch wieder eine übergeordnete richtige Wahrnehmung eingeführt wird, die dann meist den Industrieinteressen entspricht. Ihm selbst entgeht dadurch auch mit Einschränkunken, daß die gelungenste PR natürlich die ist, die das eigene Interesse als allgemeines vermittelt, und das dies in der Realität der PR-Arbeit ein wesentliches Ziel der von ihm kritisch diskutierten Konsensstrategien, z.B. der Mediation, ist. Das heißt das Ziel dieser Verfahren ist in der Regel gar nicht das Erreichen eines Konsens, da dieser meist gar nicht möglich ist auf Grund realer Interessenwidersprüche, sondern das Ziel ist die eigene Wirklichkeitsbeschreibung als Konsens zu etablieren. Dies ist der reaktionäre Kern den unter anderen die Habermasche Theorie in der Realität entfaltet.
Trotzdem kritisch gelesen ist diese Arbeit sehr informativ.



Krisenmanagement & Krisenkommunikation
http://www.fz-juelich.de/inb/inb-mut//publikationen/
hefte/heft_41.pdf


AutorIn: Peter F. Wiedemann - Arbeiten zur Risikokommunikation, Heft 41 - Jülich - Januar 1994
Ein Text der primär unter marketingtechnischen Gesichtspunkten Fragen der Krisenkommunikation diskutiert. Hier findet Ihr noch viele weitere Hefte mit ähnlich technokratischem Tenor aber unterschiedlichen Themen, alle aus der Reihe ‚Arbeiten zur Risikokommunikation' - http://www.fz-juelich.de/inb/inb-mut//publikationen/liste_riko.html -.
Letztendlich findet Ihr hier eine ganze Menge Infos, die zwar kritischer Lesart bedarf, aber kritisches Lesen ist grundsätzlich gut.



Grundsätzlich ist zu konstatieren, daß es in der Risikodiskurstechnik um die Vermittlung von Herrschaftswissen geht. Es geht nicht um irgendeine Form von Rationalisierung der Diskurse.
Dies ist sehr deutlich daran zu sehen, daß industrielle Risiken nur unter dem Aspekt der Überbewertung aber niemals unter dem Aspekt der Unterbewertung diskutiert werden. In der Realität gibt es aber eine große Zahl an Beispielen in denen industrielle Risiken unterbewertet wurden. Z.B. die Verwendung von Atomsprengköpfen zur Sprengung von Gaskavernen in der UDSSR der 60er Jahre / Die Verwendung von Röntgengeräten in Schuhgeschäften in den 20er Jahren / der Fall Asbest in den 60er und 70er Jahren / .. .
Ginge es um Rationalisierung müßte also auch thematisiert werden, wie, im Fall mangelnden Risikobewußtseins, dieses geschärft werden kann.
Die Behauptung es ginge um die Rationalisierung von Diskursen ist also offensichtlich verlogen.

Inzwischen gibt es sehr viele Texte zur Technologie des Risikomarketings / Risikokommunikation, als Beispiel sei hier nur eine Seite mit texthinweisen aus Kanada genannt - http://www.tbs-sct.gc.ca/rm-gr/site/home-accueil.aspx?Language=EN&id=035 -.
Hier nun noch einige weitere.




Risk Communication for Chemical Risk Management
http://www.bfr.bund.de/cm/238/background_paper.pdf

Hg.: Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin - OECD Workshop - Berlin - 18. bis 20. September 2000
Allgemeiner Text über Risikomanagement und die Risikowahrnehmung der Bevölkerung aus Sicht der ManagerInnen.



ERiK - Entwicklung eines mehrstufigen Verfahrens der Risikokommunikation
http://www.bfr.bund.de/cm/238/erik_entwicklung_eines_mehrstufigen_
verfahrens_der_risikokommunikation.pdf


Hg.: R.F. Hertel / G. Henseler, BfR Bundesinstitut für Risikobewertung - Berlin - 2005
Techniken der Risiko'kommunikation'.



Was kostet eine Krise? - Fakten, Erfahrungen und Handlungsmöglichkeiten
http://www.bfr.bund.de/cm/238/was_kostet_eine_krise_fakten_
erfahrungen_handlungsmoeglichkeiten_tagungsband.pdf


Hg.: BfR Bundesinstitut für Risikobewertung - Berlin - 2006
Krisenmanagementtechnologien aus Sicht des Managements in Konzernen und Medien und von Greenpeace.



The Nanotechnology-Biology Interface
http://www.hhh.umn.edu/img/assets/9685/nanotech_jan06.pdf

HerausgeberIn: Jennifer Kuzma, Center for Science, Technology an Public PolicyHubert H. Humphrey Institute of Public Affairs - Workshop Report - Mineapolis - September 15, 2005
Darstellung und Diskussion des Umgangs der unterschiedlichen US-Behörden mit nanotechnologischen Risiken.



Die schon genannte Argumentationslinie, daß die Bevölkerung und die Medien industrielle Risiken überbewerten würden, zieht sich durch viele weitere Texte.
Hier nur ein typischer Text für diese Argumentation;




Perceptions of Risks and Nanotechnology
http://www.ifs.tu-darmstadt.de/fileadmin/phil/nano/schuler.pdf

AutorIn: Emmanuelle Schuller - In: Ed. Davis Baird / Alfred Nordmann / Joachim Schummer - Discovering the Nanoscale - Amsterdam, IOS Press - 2004
Beginnt der Text im Abstract bereits mit der groben Verharmlosung; 'There is no scientific evidence to support the notion that nanoparticles and nanotubes - basic-components of nanotechnology-based products - pose risks to human health and the environment.'
So setzt sich dies im Folgenden fort.
Als primäres Problem wird die Risikowahrnehmung der Bevölkerung diskutiert. Das es hier nicht um Rationalisierung geht sondern um Ideologieproduktion kann auch hier daran gesehen werden, daß bzgl. der Industrieproduktion nur die Überbewertung von Risiken diskutiert wird aber nicht ihre Unterbewertung. Und dies obwohl Unterbewertungen aus vielen Fällen bekannt sind, wie dargestellt z.B. im Umgang mit Röntgengeräten in Schuhgeschäften der 20er Jahre oder im Umgang mit Asbest usw..
So wird der falsche Eindruck erzeugt, die Bevölkerung würde industrielle Risiken grundsätzlich überbewerten.
Im gleichen Buch finden sich aber auch qualitativ sehr gute kritische Beiträge, z.B. der Artikel 'Military Arms Control and Security Aspects of Nanotechnology' von Jürgen Altmann und Mark A. Gubrud - http://www.ifs.tu-darmstadt.de/fileadmin/phil/nano/altmann-gubrud.pdf -. Auch intelligente Artikel zur Geschichte und zur Diskursanalyse der Nanotechnologie finden sich hier. Alle Artikel sind über das Internet zugänglich - http://www.ifs.tu-darmstadt.de/fileadmin/phil/nano/toc.html -.



Konkret sehen moderne Kommunikationsstrategien dann z.B. wie folgt aus.




Ihr Nachbar Industriepark Hoechst
http://www.ihr-nachbar.de/ & http://www.ihr-nachbar.de/detailnews.asp?nach_id=2358

HerausgeberIn: Infraserv GmbH & Co. Höchst KG - Industriepark Höchst - Frankfurt am Main - Dauerhafte Netzseite
Moderne PR des Konzerns Hoechst im Netz. Die Einbindung der KritikerInnen macht es möglich sich in dieser PR-Strategie selbst als 'glaubwürdiger' Vertreter übergeordneter Interessen darzustellen.



Und längst werben Werbeagenturen offensiv mit der Kompetenz zum Krisenmanagement und der Risikokommunikation.




Genius
www.genius-biotech.de

HerausgeberIn: Genius GmbH - Darmstadt - Dauerhafte Netzseite
Netzseite einer Marketingagentur, die sich unter anderem mit der Vermarktung von Gentechnik in der Landwirtschaft befaßt (Gesprächskreis Grüne Gentechnik).



iku gmbh - Unser Ziel ist Verständigung
http://www.ikugmbh.com/

HerausgeberIn: iku gmbh - Dortmund - Dauerhafte Netzseite
Selbstdarstellung einer anderen Institution die sich unter anderen mit Risikokommunikation befaßt aber stark auf KundInnen im öffentlichen Bereich ausgerichtet ist.



Ein Teil Texte aus Industriesicht sieht auch einen Zusammenhang zwischen Marketing, realer Technologiefolgeabschätzung und gesetzlicher Regulationen.
Das Engagement einiger Konzerne für Regulierungen resultiert aus der Tatsache das mangelnde Regulationssysteme auch zu unkalkulierbaren Risiken führen können, sei es durch Produkthaftung oder durch den Zusammenbruch von Marktsegmenten im Fall massiver negativer gesundheitlicher oder ökologischer Folgewirkungen.




Nano-Regulation Report / Safety, Risk and Regulatio of Engineered Nanoparticles - Results, Trends and Perspectives
http://www.innovationsgesellschaft.ch/images/publikationen/
Nano_Regulation_final3.pdf

http://www.innovationsgesellschaft.ch/images/publikationen/
Schlussbericht5.pdf


Hg.: The Innovation Society, Ltd - St. Gallen - März / Oktober 2006
Hier geht es um Marketing, daß heißt gezielte Kommunikationsstrategien, aber auch um mehr Technologiefolgen-Abschätzung und begrenzte Regulationen um Risiken überhaupt erst einmal kalkulierbar zu machen.
Auf der Netzseite der Innovationsgesellschaft findet Ihr auch eine Linkliste zu vielen weiteren unkritisch befürwortenden aber auch einigen interessanten kritischen Texten - http://www.innovationsgesellschaft.ch/nano_regulation.htm -.



Noch einige Links zu einigen herausragenden BefürworterInnen der Nanotechnologie und ihren Internetauftritten;




Minatec
http://www.minatec.com/

HerausgeberIn: Minatec - Grenoble - Dauerhafte Netzseite
Minatec in Grenoble in Frankreich ist Europas größter Nanotechnologieindustriekomplex.
Der massive Widerstand in Grenoble konnte die Ansiedlung nicht verhindern - http://www.earthfirst.org.uk/actionreports/node/1381 -.



TechPortal Nanotechnologie
http://www.techportal.de/de/b/2/start,public,start/

HerausgeberIn: VDI Technologiezentrum GmbH - Düsseldorf - Dauerhafte Netzseite
Über das TechPortal Nanoechnologie findet Ihr viele Links zu den unterschiedlichen Institutionen und Netzwerken pro (unkritischer Nutzung der) Nanotechnologie.



Kurz noch einige Seiten mit vielen Links zu Nanotechnologie.




Nanotechnology
http://cordis.europa.eu/nanotechnology/

HerausgeberIn: European Commission - Dauerhafte Netzseite

&


Nanoforum - European Nanotechnology Gateway
http://www.nanoforum.org/

AnsprechpartnerIn: VDI Techniologiezentrum - Düsseldorf - Dauerhafte Netzseite

&


nanopublic
http://nanopublic.blogspot.com/

Maintained by: Dietram A. Scheufele Madison, Wisconsin, USA - Dauerhafte Netzseite

&


Nanotechnology Now
http://www.nanotech-now.com

&


Nano Tsunami
http://www.voyle.net/

Editor: Davd W.G. Voyle - Wateringen - Holland - Dauerhafte Netzseite

Dies alles sind Seiten mit vielen Infos zur Nanotechnologie, zum größeren Teil unkritische Feier der Technologie, nur zum kleinen Teil kritisch aber mit vielen Hinweisen auf aktuelle Forschungen und Entwicklungen.



Und zum Abschluß noch ein wirklich offenherziger Text aus den Wirtschaftswissenschaften über Technologieentwicklung und Kapitalismus, mit einem Lob auf Schumpeter. Vorab solltet Ihr vielleicht dazu einen Text 'Demokratie, Markt und Geschlecht. Die maskuline Welt des Joseph A. Schumpeter' von Eva Kreisky lesen - http://evakreisky.at/onlinetexte/schumpeter_kreisky.php -, um zu begreifen, um was es geht bei einer Technologiepolitik und Technikentwicklung, wie sie im nachfolgenden Artikel von Jochen Röpke & Elizaveta Kozlova gefordert wird, und im welchen Kontext dies steht.




Nanotechnologie als Basisinnovation
http://www.wiwi.uni-marburg.de/Lehrstuehle/VWL/WITHEO3/documents/nano2.doc

AutorInnen: Jochen Röpke & Elizaveta Kozlova - Marburg - 17. März 2004
Text über Technikentwicklung als 'schöpferische' Zerstörung.
Hübsch an diesem Artikel ist auch wie paßgenau Schumpeter, ein radikaler Neoliberalismus, Technologischer Fortschrittsglauben als Religionsersatz und Versatzstücke der Philosophie von Lao-tse zu einem Legitimationskontext für eine unkritische und antidemokratische Technikaffirmation verschmolzen werden. Ein Grundproblem liegt hier unter anderem im Ansatz, der so tut, als gebe es nur die eine Linie der Technikentwicklung und nicht immer eine Vielfalt an auch grundsätzlich unterschiedlichen alternativen Entwicklungsmöglichkeiten. Und im Ausblenden, daß die Entscheidung für eine dieser Linien im Regelfall durch Großinvestitionen von Staatsseite getroffen wird.
Die Frage ist nicht Nanotechnologie oder Steinzeit, sondern z.B. welche Nanotechnologie, oder z.B. Nanoagrartechnik oder technische Weiterentwicklung ökologischer Anbaumethoden, usw..
Aus dem gleichen Kontext gibt es auch einen Text zu ethischen Fragen mit dem Titel - Ethische und rechtliche Probleme von Basisinnovationen anhand der Nanotechnologie - AutorIn: Josef Quoc Dung Pham - Marburg - 07.06.2004 - http://www.wiwi.uni-marburg.de/Lehrstuehle/VWL/WITHEO3/documents/thema7c.doc



Demokratie, Markt und Geschlecht.
Die maskuline Welt des Joseph A. Schumpeter

http://evakreisky.at/onlinetexte/schumpeter_kreisky.php

AutorIn: Kreisky, Eva - in: Andrei S. Markovits/Sieglinde K. Rosenberger (Hg.): Demokratie. Modus und Telos - Seite 39 bis 60 - Wien-Köln-Weimar, 2001
"Dieser Text fokussiert auf den "Politikwissenschafter" Joseph A. Schumpeter. Vor allem sein Beitrag zur Ökonomisierung von Demokratie interessiert, zumal aktuell Wirtschaftsliberalismus und Marktradikalismus .."
Hier nochmal der Hinweise auf den Text von Eva Kreisky als kritische Ergänzung zum Text von Jochen Röpke & Elizaveta Kozlova.


- FIN -





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Zuletzt aktualisiert 30.05.2010





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