Texte

 

 

 

 

Körperloses Geschlecht

Geschlechtskonstruktion in der virtuellen Kommunikation

 

 

 

 

Die Frau in der Rolle der Maschine als Diskettenlaufwerk eines Computers, ein Bild aus der Werbung ([a] Titelbild)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

I Einleitung

 

Ausgangspunkt für die folgenden Überlegungen war die Frage nach den Formen der Konstruktion von geschlechtlicher Identität in der bundesdeutschen Gesellschaft zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Ausarbeitung. Unterschiede aufgrund räumlicher Differenzen (Stadt/Land, Ost/West, ..) konnten wie viele andere soziale Aspekte nicht berücksichtigt werden, da diese aus den elektronischen Adressen nicht zu ermitteln sind.

 

Als Ansatzpunkt wurde die Untersuchung eines spezifischen Ausschnittes der Mailboxkommunikation gewählt. Die Ausgangsidee war, daß in dieser rein virtuellen Kommunikation, also einer Kommunikation in Abwesenheit ihrer ProtagonistInnen, sich Geschlechtsgrenzen, falls sie wesentlich an das Individuum gebundene Merkmale sind, auflösen müßten. Ausgehend davon, daß erhebliche Widersprüche zwischen dem eigenen geschlechtlichen Selbstverständnis und den Alltagsanforderungen klaffen, war meine Ausgangsthese, daß die KommunikationsteilnehmerInnen die Möglichkeiten des Spiels mit den Geschlechtskategorien, die die Mailbox als vollständig körperlose Kommunikation in Normschrift bietet, nutzen würden.

 

Die Untersuchung dieser Interaktionsform, schien außerdem unter dem Gesichtspunkt sinnvoll, da sie aufgrund ihrer Neuheit eine sehr aktuelle Entwicklung betrifft. Das Interesse galt aufgrund dieses Ansatzes insbesondere Passagen, die offensichtlich nicht dem Austausch von Informationen dienten, bzw. der Frage wieso bestimmte Inhalte gewählt wurden.

 

In der Arbeit mit dem Textmaterial verschob sich die These in ihr Gegenteil. Die körperlose Kommunikation in Normschrift erfüllt zumindest für einen Teil der Teilnehmer den offensichtlich zentralen Zweck der geschlechtlichen Selbstkonstruktion. Auffällig ist die schon beim ersten Durchsehen der Texte ins Auge springende Reproduktion klassischer Geschlechtsklischees durch einige der Teilnehmer. In der Untersuchung wurde ein Schwerpunkt auf diese Textstellen gelegt.

Zwar ließ sich auch bei einem Teil der Teilnehmerinnen ein geschlechtsspezifisches Auftreten feststellen, um dies genauer zu fassen, wäre aber eine detailierte Untersuchung des Sprachverhaltens, wie sie in Kapitel V  in Ansätzen diskutiert wird, notwendig.

Insgesamt ist dies ein sehr einschränkender Blick auf die Texte, der aber zu einer hohen Produktivität bzgl. der Ausgangsfrage führt. Gleichzeitig bedeutet dies aber, daß eine Vielfalt anderer Aspekte bewußt ausgenommen wurde. Die Mailboxkommunikation ist keinesfalls auf die hier betrachteten Aspekte zu beschränken.

Insbesondere wurden damit die inhaltlich kontroverseren Diskussionen und damit auch die Texte von Frauen weitestgehend ausgeblendet. Das heißt, daß die Aussagen sich im wesentlichen auf die männlichen Nutzer beschränken.

Dies betrifft z.B. die Diskussion um männliche Nutzer im Brett Frauen/only.

 

Ausgehend von der These Judith Butlers ([17]) der Konstruiertheit auch der biologischen Geschlechtskategorien, und des Wissens über die Vielfältigkeit  morphologischer Ausprägungen, wird der Körper nicht nur untauglich als Signifikat der männlich singularen Geschlechtskategorien, sondern kann sogar als Signifikant des Widerspruchs aufgefaßt werden. Die Geschlechtskategorien lassen sich damit nur unter Abstraktion von der körperlichen Realität aufrechterhalten. Aufbauend auf dieser These wäre gerade die virtuelle Kommunikation der Mailbox für die geschlechtliche Selbstvergewisserung ideal, da von allen in einer realen Person vorhandenen geschlechtlichen Widersprüchen 'gereinigt'.

 

Daß die Eindeutigkeit der Geschlechtskategorien gerade nicht im biologischen Bereich ihre Basis ist Z.B. ja auch das Mittelalter bekannt. Die Mailboxkommunikation würde also in diesem Sinn einen ähnlichen Zweck erfüllen, wie die mittelalterliche Bekleidung.

 

 

 

 

 

II Die Mailboxkommunikation als Ritual zur Außendarstellung bzw. Konstruktion von Geschlecht und Status

 

Die Kommunikation über die Mailbox funktioniert als rein schriftliche in Normschrift. Die Kommunikation läuft über sogenannte Bretter, dies sind themenspezifische Fächer unter denen jede/r TeilnehmerIn Texte abspeichern und die dort abgespeicherten Texte anderer TeilnehmerInnen einsehen kann. Die untersuchte Mailbox besteht aus einigen 100 solcher Bretter. Die meisten dieser Bretter dienen dem internationalen und bundesweiten Informationsaustausch Interessierter aus einem diffus linken Spektrum, wie Greenpeace, Anarchistische Gruppen, SPD, u.a. Die Themen reichen von der Vorbereitung der Weltfrauenkonferenz der UNO in Peking, über Antiatomaktionen, bis hin zur Auseinandersetzung mit der weltweiten Gewässerverschmutzung ([16]). Die Texte sind meist im journalistischen oder Flugblattstiel verfaßt.

Untersucht wurden für diese Arbeit einige ausgesuchte bundesdeutsche Bretter die fast ausschließlich zur 'privaten'  Kommunikation, also eine Art 'sozialem' Austausch, genutzt werden. Diese Kommunikation wird von ihren Apologeten bzgl. des Internets (einer internationalen m.E. vergleichbaren Struktur) als postmodern beschrieben. Für Sie ist diese Kommunikation die 'Entleerung der Zeit und des Raumes, die nicht-mehr-Angewiesenheit sozialer Aktivitäten auf einen bestimmten Ort, das Herausheben oder Herauslösen (disembedding) sozialer Beziehungen aus ihren lokalen Kontexten'. (Anthony Giddens nach [1] Seite 19)

Ich würde dies als sozialen Tod fassen, da die soziale Kommunikation ohne Kontextualität nicht existiert. Die Zeichen, die Worte, werden entweder inhaltsleer, bedeutungslos oder massenmedial trivialisiert.

Die Bretter wurden außerdem ausgewählt aufgrund ihres geschlechtlichen heterosexuellen Themenschwerpunktes. Untersucht wurden die Bretter zu den Themenschwerpunkten, Frauen/Diskussion, Frauen/Allgemein, Freie Liebe/Hetero, Männer/Diskussion und Männer/Allgemein.

Auffällig war, das weit überwiegend männliche Nutzer auftraten. Dies galt auch für die betrachteten Bretter zum Stichwort Frauen/Diskussion und Frauen/Allgemein in denen der Anteil männlicher Nutzer deutlich über 50% lag. In den Brettern Männer/Diskussion und Männer/Allgemein kamen hingegen bis auf einige Ausnahmen keine Nutzerinnen vor.

Insgesamt muß berücksichtigt werden, daß der Anteil der Nutzerinnen im Gesamtsystem weit unter 50% liegt.

Die Kommunikation in den untersuchten Brettern wurde über eine Zeitraum von 2 Monaten aufgezeichnet.

Die Texte die Ausgangspunkt waren, liegen nach wie vor vor und können bei weitergehenden Interesse eingesehen werden.

Über die Mailbox können auch private Nachrichten direkt versandt werden, diese Nachrichten konnten kein Bestandteil der Untersuchung sein.

Eine Untersuchung inwieweit die NutzerInnen dieser Bretter auch andere Bretter in der Mailbox nutzen und ihr Auftreten dort war, aufgrund des dafür notwendigen Arbeitsaufwandes, nicht leistbar.

 

 

Vergleich mit anderen Kommunikationsstrukturen

 

Als Ansatzpunkt für die Analyse habe ich zuerst nach vergleichbaren Kommunikationsstrukturen gesucht. Im folgenden werde ich vier Vergleiche kurz erläutern.

 

- Der Vergleich mit der Telefonkommunikation liegt als historische Wurzel nahe, da die Mailboxstrukturen aus der  Hackerszene der 60er und 70er Jahre in den USA, zum Teil in personeller Identität entwickelt wurden. Diese Szene ist aber nicht unwesentlich aus den um die Zeitschrift YIPL (Youth International Party Line) sich gruppierenden Gruppen und Einzelpersonen entstanden. Primärer Zweck der Zeitschrift war die besten Möglichkeiten der Manipulation des Telefons zum Zweck der möglichst kostenfreien nationalen und internationale Telefonspaßkommunikation einschließlich Konferenzschaltungen auszutauschen. Erläutert wurden aber auch Möglichkeiten zur Manipulation von Geldautomaten, Gaszählern u.a. technischen Gerät ([2]). Der Personal Computer in seiner heutigen Struktur wurde von Leuten aus dieser Szene mitentwickelt.

Auch in dieser Szene waren fast ausschließlich männliche Jugendliche und Männer aktiv. Der Sexismus in der YIPL führte Anfang der 70er zu einer internen Debatte. Es ging um den Begriff 'Fuck Ma BelI (US-Telefonkonzern)', ein Begriff dessen psychoanalytische Implikation im weiteren Text noch kurz aufgegriffen wird. In der BRD wurde ein Reprint der alten YIPL-Ausgaben vom Chaos-Computer-Club Anfang der 80er Jahre unter dem Namen Hackerfibel (szeneintern Hackerbibel) herausgebracht. Der Sexismus, der weitestgehende Ausschluß von Frauen, der Charakter als Zirkel heranwachsender Männer, der bereits bei YIPL zu finden ist, findet in den 80er Jahren sein bundesdeutschen Pedant in den Publikationen des CCC ([3]) und der Mitgliedsstruktur dieses Vereins und setzt sich bis in die Anfänge der Mailboxstrukturen fort.

Interessant scheint dieser historische Hintergrund als ein Ausgangspunkt zum Verständnis der derzeitigen NutzerInnenstruktur, da die betrachtete Mailbox, mit inzwischen über 10.000 NutzerInnen in der BRD, zu den älteren Strukturen gehört. Die Anzahl der NutzerInnen zeigt aber auch, daß inzwischen sehr unterschiedliche Gruppen und Einzelpersonen an dem Netz teilnehmen.

Die Telefonkommunikation ist aber sowohl aufgrund ihrer Zeitstruktur, wie auch aufgrund der vom Körper nicht trennbaren stimmlichen Wahrnehmung letztendlich nicht mit der Mailbox vergleichbar.

 

- LeserInnenbriefseiten in Zeitungen, z.B. Bravo, sind auch nur bedingt vergleichbar, einmal aufgrund der Hierarchie zwischen VerfasserInnen von Artikeln und LeserInnen und aufgrund meist nur einmaliger Reaktionen. Diskussionen zwischen LeserInnen untereinander über mehrere Ausgaben hinweg sind eher die Ausnahme. In der Mailbox ist dies die normale Struktur. Trotzdem werden die bekannten Muster dieses öffentlichen Schreibens über Sexualität reproduziert.

 

Beispiel 1

 

Freie Liebe/Hetero

Betreff: Frage Sex .....

Absender: F (männlicher Absender Name gekürzt)

17.10.94 - 1.33 Uhr (Sendedatum)

 

Hallo Leute,

 

anscheinend habe ich hier das richtige Brett gefunden, ich will mal von meinen Gedanken und Problemen berichten, und hoffe auf eine oder mehrere Antworten:

 

Ich habe eine Freundin mit der ich jetzt 55 Tage zusammen bin. Wir lieben uns, und haben auch gegenseitig versucht unsere Körper zu erforschen. Das klappt ja gut, sie läßt sich von mir liebkosen, überall streicheln etc. (Ich genauso, ist doch klar). Wir vertrauen uns, und lieben uns sehr.

 

Unser Problem ist, daß sie nicht so etwas wie eine Erregung verspürt, stimmt nicht ganz, nur manchmal eine kleine, aber nicht mehr. Ich dagegen bekomme einen Höhepunkt nach dem anderen, und kann einfach nicht verstehen , wieso sie keine Erregung bekommt. Klar, ich weiß, daß sich alles im Kopf abspielt , aber wie kann ich ihr helfen??

...

 

Auch die Antworten reproduzieren die bekannten Muster des öffentlichen Schreibens über Sexualität in Zeitschriften inhaltlich,

 

Freie Liebe/Hetero

Betreff: Frage Sex .....

Absender: T B (männlicher Absender Name gekürzt)

19.10.94 - 7.32 Uhr (Sendedatum)

 

.. Also flo. Das hört sich ja alles sehr komisch an. Ich kann dir im Moment keine besseren Tips geben , weil Zeitdruck. Aber ein Tip beim ersten Mal mußt du beachten. Es muß immer feucht sein (du weißt schon wo) und dies ist kein dummer Spruch sondern ein Erfahrungswert (dummes Wort) also bis bald schlumpf

 

 

- Als dritter Vergleich ergab sich die Assoziation zur Beichte. Dieser Vergleich ergibt sich aus der Anonymität der Kommunizierenden und der damit einhergehenden Ritualisierung des 'Sprechens'. Berücksichtigen wir die Nichtsichtbarkeit des Gegenübers und die Monotonisierung der Stimmen, werden Ähnlichkeiten offensichtlich.

Fassen wir die anonyme Masse der TeilnehmerInnen als Ersatz der Objektivität widerspiegelnden monotonen Stimme des Priesters ergibt sich für die individuelle Mailboxkommunikation die Deutungsmöglichkeit als eine Form ritualisierten Sprechens, vielmehr denn als inhaltliche Kommunikation an sich.

Den Begriff ritualisiertes Sprechen wurde in Anlehnung an die strukturalistische, sich auf Levi Strauss  beziehende Ritualauffassungen von Edmund R. Leach gebildet. Für Leach ist ein Ritual eine kulturell definierte Menge von Verhaltensweisen mit kommunikativer Funktion ([4] Seite 28). Der Begriff ritualisiertes Sprechen soll im wesentlichen auf zwei Aspekte hinweisen. Einmal auf die Funktion, 'Wir betätigen uns in Ritualen, um uns selber kollektive Botschaften zu übermitteln' (Leach 1978, zitiert nach [4] Seite 29), und zweitens auf das Ziel dieser Form von Kommunikation, der Selbstdarstellung und damit auch Selbstkonstruktion. Die primäre Leistung des Rituals ist für Leach, 'to express the status of the actor vis-à-vis his enviroment, both physical and social; it may also serve to alter the status of the actor' (Leach 1968 zitiert nach [4] Seite 28).

Ein weitere Assoziation drängt sich in diesem Zusammenhang auf, die inhaltsleere Kommunikation auf Feiern und Feten. Sicher wäre ein Vergleich des ritualisierten Sprechens dort in seiner Funktionalität für die Reproduktion von Stereotypen mit der hier untersuchten Mailboxkommunikation interessant.

Ich habe zu diesem Punkt aber keine aktuellen Texte gefunden.

 

Grundthese dieser Ausarbeitung ist, daß das ritualisierte Sprechen in der Mailboxkommunikation funktional zur Darstellung der männlichen Geschlechtsidentität ist.

Diese Funktion ist insbesondere in der Auswahl der Themen, den längeren Diskussionssträngen, der Ignoranz gegenüber Frauenstrukturen (Auseinandersetzung um das Brett Frauen/only) und der Gesamtdarstellung zu finden. Genauer wird darauf in den folgenden Ausführungen und in der Auswertung der beiden Textauszüge am Schluß dieser Ausarbeitung eingegangen.

 

 

- WC-Türen auf dem Herrenclo sind sowohl was Inhalt als auch Form der Texte betrifft zum Teil ebenfalls im hohen Maße vergleichbar. Die untersuchte Mailboxkommunikation erfüllt zum Teil offensichtlich einen ähnlichen Zweck. Auch bei den Texten auf WC-Türen ist die Funktion im Sinne einer geschlechtlichen Selbstversicherung, allein schon aufgrund des Ortes, offensichtlich. Hier bin ich Mann, hier darf ich sein.

Selbst die sexistischen, auf ein Minimum reduzierten, Bilder lassen sich in anderen Bereichen der Mailboxkommunikation wiederfinden. D.h. im über kommerzielle Boxen und Internet  stattfindenden Verkauf und Tausch pornographischer Produkte.

 

Beispiel einer relativ weit verbreiteten pornographischen Software ([a] Seite 41)

 

 

Mit diesem Vergleich wird eine weitere Konnotation dieser Kommunikation deutlich, das Setzen einer Art Reviermakierung bzw. die durch die geschlechtliche männliche Selbstdarstellung gleichzeitig erfolgende Besetzung eines Ortes.

Das heißt es geht auch darum die männlich Beherrschung des Systems darzustellen. Insbesondere gilt dies für den Streit um das Brett Frauen/only und die Textabschlüße (eine Art individuelle Unterschrift).

Das Verständnis des Netzes als zu erobernden Ort,  findet sich auch im Internet wieder. Außer dem "raumlosen Ort" dem Cyberspace, sind im Netz eine Reihe von Siedlungsmethaphern in Gebrauch. Anders als Autobahnen werden Datennetze "bewohnt" von "Net´ern" oder "Netizens". Die Siedlungsformen reichen vom "Globalen Dorf" bis zur "Digitale Stadt" oder "Electropolis".'([5] Seite 13)

Den Verwendung des Begriffs Cyberspace durch die rechte Politiker der USA sieht Rainer Rilling in direkter ideologischer Kontinuität des Frontier-Individualismus. 'Cyberspace dagegen koppelt den unendlichen Kunstraum der elektronischen Welt an die amerikanische Geschichte realer Kontinental- und imperialer Welteroberung an, assoziiert soweit den Geist des Frontier-Individualismus und kolonialen Sozialdarwinismus.' ([6] Seite 20)

 

Beispiel 2

 

Frauen/Diskussion

Betreff: Wiedermal: Wortgeschlechter

Absender:  M Dickreiter (männlicher Absender Name gekürzt)

29.12.94 - 22.12 Uhr (Sendedatum)

 

HoIn,

 

also sowas ....

 

warum nicht NUR die verflixte Innnen-endung, wenn sie es denn doch soooo dringend haben wollen?

 

wir "schwanzträger" brauchen nicht eine extra-endung, dass wir nicht fraulich sind wissen wir auch so.

 

punkt.

 

(ja SO eine MISTdiskussion!)

 

scooter

 

Eine Frau die sich wehrt, muß wahrscheinlich DOCH an den Herd!

 

 

Die folgende Nachricht wurde von einem Mann bewußt in das Brett Frauen/only geschickt, daß laut Absprache nur Frauen offen stehen soll. Die permanenten Übergriffe auf Frauenstrukturen in gemischtgeschlechtlichen Mailboxen haben inzwischen zu einer Reihe Mailboxen geführt, die nur Frauen als Teilnehmerinnen offen stehen, z.B. Femnet.

Es ist ein prägnantes Beispiel für das lassen von Reviermakierungen. Durch die öffentlichen Reaktionen und längere Diskussion über diesen Vorgang konnte sich der Mann dann auch seiner Männlichkeit versichern.

 

Beispiel 3

 

Frauen/only

Betreff: Hallo Weiber

Absender:  T W (männlicher Absender Name gekürzt)

14.11.94 - 12.52 Uhr (Sendedatum)

 

Na,

 

wer sich angesprochen fühlt - Eigenschicksal! Ich habe nur mal eine Frage (in der Hoffnung, daß diese Newsgroup überhaupt von irgendjemand gelesen Wird; -). Darf ich als ganzer Kerl Eure Artikel auch lesen? Was passiert denn jetzt, da ich bei "frauen.only" gepostet habe? Bin ich jetzt kein Kerl mehr?

 

Helft mir bitte!

 

tobias

 

 

Zusammengefaßt ist die Ausgangsthese also, daß sich in der Mailboxkommunikation, in der Form des ritualisierten Sprechens, Formen der Geschlechtskonstruktion finden lassen, und daß diese in den untersuchten individuellen Kommunikationssträngen einen zentralen Platz einnehmen.

Grundsätzlich wird die Konstruktion von Geschlecht als Kategorie (1) evident, wieso sonst muß sich in dieser Form seiner versichert werden.

 

 

 

 

III Die Lust (am Verlust) der Kontrolle

 

Welche Ängste finden in dieser Form des ritualisierten Sprechen ihre Aufhebung?

 

Die ritualisierten Formen stehen in einem engen Zusammenhang mit dem Medium Computer und verweisen auf eine geschlechtliche Funktionalisierung von Technik ansich.

 

Gehen wir entsprechend der Fassung 'Fuck Ma Bell' davon aus, daß das technische Großsystem nicht so sehr Phallussymbol ist, als vielmehr, daß das Eintauchen in diese 'Urmutter des Chaos' (die Technik) ein Bezug auf präödipale Bedürfnisse ist, so liefert das Eintauchen am Rande des Kontrollverlustes relativ gefahrlose Lustmomente, die gleichzeitig durch die Penetrationsmöglichkeit, die Manipulation, Beherrschung, in ödipalen Momenten aufgehen können. Die Konnotation von Technik z.B. von Automobilen mit Frauen in der Werbung bekäme so noch einen ganz anderen Inhalt. Das Auto wäre dann nicht so sehr als verlängerter Phallus zu begreifen sondern selbst weiblich konnotiert. Die Lustmomente am Geschwindigkeitsrausch würden gerade in der Möglichkeit des Kontrollverlustes liegen, aber auch in der Beherrschung.

Das hieße, daß die Möglichkeit des Kontrollverlustes in der Technik als zentrales Kriterium ihrer Funktionalität anzusehen wäre. Die Möglichkeit des Unfalls im Falle der Atomenergie oder der Gentechnik wäre damit gerade ein zentraler Grund für die männliche Begeisterung für diese Technologien.

 

Dieses Verständnis männlicher Technikaneignung als Grenzerfahrung greift zum Teil auf die von Theweleit konzipierte Psychodynamik des soldatischen Mannes zurück.

In seiner Habilitationsschrift 'Männerphantasien' ([7]) setzt er sich mit der Psychodynamik der Mitglieder der ehemaligen Frontsoldatenverbände (z.B. Stahlhelm u.a.) auseinander. Seine Grundthese ist dabei, daß diese Männer im Gewaltexzess gerade das Moment der Auflösung, als präödipales Bedürfnis, und der Rekonstruktion der (geschlechtlichen) Identität im Überstehen dieses Momentes, z.B. Granatfeuer, suchen.

 

Diese Psychodynamik wird von mir aber nicht so sehr als Teil einer nicht abgeschlossenen Entwicklung sondern eben als Teil der Entwicklung entsprechend des psychoanalytischen bürgerlichen Normalitätsideals und als solcher immer auch als reaktivierbar begriffen.

Notwendig wird also die Infragestellung dieser Normalität und damit auch der geschlechtlichen männlichen phallischen Singularität.

 

Die Großtechnologie tritt als das zu Beherrschende, bedrohliche Chaos, damit gewißerweise an die Stelle der Natur bzw. wird naturalisiert.

Der Übergang ist dabei fließend. Bis in unsere Zeit hinein ist auch das Bild von der potentiell bedrohlichen, weiblichen Natur, bzw. Materie, die es zu beherrschen und zu penetrieren gilt erhalten. Zu finden ist dies z.B. bei Francis Bacon.

'Bacon beschreibt Materie häufig mit Bildern des Weiblichen, etwa als "eine allgemeine Coquette und im Grunde Hure". Er meint, daß "die Materie der Neigung und des Strebens nach der Auflösung der Welt und ihrem Rückfall in jenes alte Chaos" nicht ermangele. ([8] Seite 181))

An anderer Stelle vergleicht Francis Bacon den Prozeß der Naturerkenntnis mit der Inquisition. ([8] Seite 179)

Aber auch von Ernst Bloch werden diese Implikationen noch 1929 gesehen. Die ambivalenten Gefühle der Angstlust des Ingenieurs faßt Bloch psychoanalytisch.

'Auch er dringt (kraft seines eigenen Berufs) zeugend, erzeugend in die mütterliche Natur ein, maßt sich die Rechte des Vaters an, mit sexueller Lust und Betrug zugleich.' (Ernst Bloch nach [9] Seite 160)

 

In Ingenieurvorlesungen an der FH Hannover wird auch heute noch mit Faszination erzählt, daß es früher üblich war, daß sich Ingenieure unter die Eisenbahnbrücken, die sie konstruiert hatten, bei der ersten Testüberquerung mit mehren Lokomotiven auf einmal, selber stellten ([10]). Gerade die erzählerische Reproduktion dieses Mythos macht die Relevanz dieser Art Grenzerfahrung auch für heutige Techniker(innen?) deutlich.

Diese Beschreibung faßt aber bereits den Übergang. Nicht mehr die Natur ist das potentiell unbeherrschbare, sondern die eigene Technik.

 

Zu Zeiten der Atombombe resultiert die Angstlust weitestgehend aus der Technik selber, die Natur ist das gute und göttliche schlechthin. Thomas Kleinspehn beschreibt dieses Phänomen am Beispiel des Hergangs des Unfalls in Tschernobyl, das Spiel mit dem Risiko, um den Beweis zu führen die Anlage zu beherrschen. ([11] Seite 285-287)

Irmgard Schulz vermerkt in ihrem programmatischen Text 'Feministische Stimme in einer Forschungsprogrammatik Soziale Ökologie'

'Zumindest nach "Tschernobyl" wurde die nicht mehr berechenbare Technik selbst zur "Naturgewalt" erklärt. Bilder der Erfahrung von Übermächtigkeit, die bisher mit "Natur" besetzt wurden, werden mit Vorstellungen aus Science Fiction durchsetzt. Wenn es stimmt, daß "Frauenbild" und "Naturbild" als projektiver Ausdruck der gesellschaftlichen Beziehungen zu "innerer und äußerer" Natur zusammengehören, dann müssen sie in der Metaphorik des Krisendiskurses gezeigt werden können.' ([15] Seite 34)

 

Im Mythos des Golem u.a. lassen sich ältere Spuren des bedrohlichen Verständnisses von Technik finden. In diesen literarischen Vorbildern scheint auch schon früh eine neu geschlechtsspezifische Ausprägung auf, das weibliche mechanische Kunstgeschöpf. Die Puppe Olympia in E.T.A.Hoffmanns Erzählung der Sandmann ([14] Seite ) spiegelt nicht nur ein Technikverständnis wider, sie weist auch in Richtung eines Frauenbildes als ein potentiell gefährliches, da sich verselbständigendes, technisches Produkt. Dieses Frauenbild als Produkt ihres männlichen Schöpfers, verweist sowohl auf die patriarchalen und sexistischen Mythen der Biogenetik wie auf den Mythos der entmenschlichten Karriefrau, die ihre Ziehväter (ehemaligen Förderer/Vorgesetzten) beiseite schiebt, d.h. über Leichen geht.

Die für die männliche Reproduktion funktionalen Bilder der Frau als Heilige und Hure werden in dieser postmodernen patriarchalen Moral überführt in die ebenso funktionalen Klischees der Frau als guter Natur und bösem Kunstprodukt. Das Bild der bösen Frau entspricht dem der sich verselbständigenden Maschine, also der Frau die den Ihr von ihren männlichen 'Schöpfern' zugewiesenen Ort überschreitet.

D.h. z.B. für die Gentechnologie. daß die Begründung für die zunehmende ärztliche, männliche Kontrolle des Geburtsvorganges gerade in der Maschinenmetapher für die Gebärmutter begründet liegt. Eine Maschine muß kontrolliert werden.

 

Bzgl. des allgemeinen Umgangs mit Computern werden diese Thesen unterstützt durch die Arbeit von Bigga Rodeck u.a. . 'Das Verhältnis vom Mensch zur Maschine wird in der Computerwerbung häufig dem Verhältnis vom Mann zur Frau analog gesetzt. In diesem Zusammenhang sprechen wir bewußt von dem "Verhältnis vom Mann zur Frau", da es sich um eine einseitige aktive Beziehung handelt - so wie auch die Beziehung vom Mensch zur Maschine einseitig aktiv ist.

Die Unterstützung der Gleichsetzung Mensch gleich Mann sowie Maschine gleich Frau geschieht in Sprache und Bildern. Eine in der Sprache beliebte Variante sind die Wortspiele um das Begriffspaar "man - mouse". (Are you a man or a mouse?)

Die beidem Werbungen auf dieser Tafel spielen mit dieser Gleichsetzung durch die Art der Darstellung:

Auf dem oberen Bild der Tafel (siehe Abb. [in dieser Ausarbeitung Titelblatt]) ist die Frau in der Rolle der Maschine - ihr Mund dient als Diskettenlaufwerk. Mit dieser Aufgabe ist sie durch das metallische Gehäuse, in dem ihr Kopf steckt fest verbunden. Ihre Rolle ist passiv - erwartungsvoll.

Das Bild enthält aber auch eine Doppeldeutigkeit bezüglich der Diskette - der Informationsträger soll mit dem Schwanz assoziiert werden, der in den Mund der Frau zur weiteren Verarbeitung geschoben wird : "Das EVA-Prinzip: Eingabe - Verarbeitung - Ausgabe" [Informatikduden, S.221].' ([18] Seite 7)

 

 

Auf diese Ausführungen wird im folgenden am Beispiel von zwei Diskussionen in der Mailbox noch einmal eingegangen. Sie erfassen sicher nicht alle Aspekte des untersuchten Textmaterials, eine allgemeine Untersuchung dieses Bereiches der Mailboxkommunikation müßte außerdem weiteres Textmaterial mit einbeziehen. Die vielfältigen kommerziellen Mailboxen waren nicht Untersuchungsgegenstand, auch die vielfältigen regionalen und themenspezifischen Mailboxen wurden nicht in die Untersuchung einbezogen.

Insbesondere zur genaueren Untersuchung geschlechtspezifischer Umgangsweisen müßte zusätzlich eine Untersuchung der Mailboxen auschließlich für Frauen (z.B. Femnet) und der nicht primär auf ein heterosexuelles Publikum ausgerichteten Bretter bzw. Mailboxen erfolgen.

 

 

 

 

IV Auswertung zweier ausgewählter Textauszüge aus der Mailbox

 

Etwas ausführlicher werden im folgenden Diskussionen zu zwei Themenschwerpunkten  dargestellt, die Diskussionen unter dem Betreff Tampons mit insgesamt 30 Beiträgen von 14 Teilnehmern und 3 Teilnehmerinnen im Brett Freie Liebe/Hetero und die Diskussionen zu Unterhaltspflicht, Jugendamt und Sexismus im Brett Männer/Diskussion mit 42 Beiträgen von 9 Teilnehmern und 2 Teilnehmerinnen im betrachteten Zeitraum. Die Themen wurden ausgewählt, da es sich um Diskussionen mit einer größeren Anzahl von TeilnehmerInnen handelt. Außerdem stellen die Themen, Jungfräulichkeit und 'geschlechtliche Repression' gegen Männer, typische Bereiche der stereotypen männlich Rede über Frauen und geschlechtliche Beziehungen dar. Ausgegangen bin ich dabei von meinen eigenen Erfahrungen mit dieser Form der Rede. Eine ähnliche Themenauswahl ließe sich an manchem (auch studentischen) Stammtisch finden, aber auch in anderen männerdominierten Zusammenhängen.

 

Dabei erfüllen die Themen unterschiedliche Funktionen. In der Diskussion über die Benutzung von Tampons versus Binden zum Schutz der Jungfräulichkeit geht es primär um die Dokumentation des eigenen Wissens über Frauen und weibliche Sexualität, und damit um die Dokumentation der eigenen geschlechtlich männlichen Potenz und Kompetenz, ihre öffentliche Dokumentation und Widerspiegelung, bzw. um die Dokumentation der eigenen Coolness.

Die Diskussionen zum Unterhaltsrecht und zur 'geschlechtlichen Repression' gegen Männer reproduziert hingegen massiv sexistische Klischees und greift Inhalte verschiedener Backlash Argumentationen auf.

 

Für das erste Thema sind zwei zugespitzte Beispiele;

 

Beispiel 4

 

Freie Liebe/Hetero

Betreff: Re: Tampons

Absender:  M V (männlicher Absender Name gekürzt)

12.12.94 - 18.47 Uhr (Sendedatum)

 

C S schrieb:

 

            Also was mich jetzt mal interessieren wuerde, was halten Maenner

            fuer die beste Loesung ?! Tampons oder Binden ?

 

Also, viele Männer verstehen ja nicht, dass man auch dazu eine meinung

haben kann, wie ich an den ganzen Reaktionen hier sah :-)

 

Viele Frauen haben ja auch Meinungen zu Themen, die vorrangig

Maennner angehen ("Hoden muffen" oder "beschnitten ist er schöner", oder so)

 

Ich habe also eine Meinung zum Tampon/Binden Komplex. Ich

finde Tampons besser, weil man sie nicht entfernen muss, bevor man zum

Oralverkehr übergeht. Sieht auch besser aus, auch wenn dieser Faden

da herunterhaengt

 

Soviel dazu.

 

M.

 

und Beispiel 5

 

Freie Liebe/Hetero

Betreff: Re^3: Tampons

Absender:  B (männlicher Absender Name gekürzt)

7.12.94 - 22.26 Uhr (Sendedatum)

 

Hallo,

also mich würde es als mädchen stören wenn es unter mir immer knistert

ich würde wahrscheinlich Tampons bevorzugen frei nach dem motto lieber

massiert als geknistert

 

Gruß,

            RED-BARON            ..setzt an zum geistigen Höhenflug

 

Interessant ist auch in diesem Zusammenhang die 'Unterschriften' zu betrachten, Die jeweils ihren eigenen Zweck erfüllen, sei die Dokumentation der Abgeklärtheit eines M. oder die eher kindlich wirkende aber leicht phallisch angehauchte Abkürzung RED-BARON. Die letztere liefert auch noch einmal einen Bezug zum in II genannten Frontier-Individualismus im Cyberspace.

 

Ein Beispiel für die Reproduktion typischer sexistischer Stereotype, in der Form des ritualisierten Sprechens, in der Diskussion zum Unterhaltsrecht ist das Beispiel 6.

 

Beispiel 6 (Auszug)

 

Männer/Diskussion

Betreff: Re: Unterhaltspflicht, Jufgendamt u. Sexismus

Absender:  W G (männlicher Absender Name gekürzt)

13.10.94 - 1.05 Uhr (Sendedatum)

 

... In 95% der Scheidungssfälle sieht's doch so aus: die Mutter mangels Berufsausbildung und/oder -Praxis gar nicht in der Lage, die ganze auseinandergebrochene Familie finanziell zu versorgen. Also muß da der Mann ran und folglich zieht die Frau die Kinder auf. Ein GEMEINSAMES Sorgerecht für die Kinder (wie es nach UNO-Kinderrechtskonvention der Normalfall sein sollte ...) wird den beiden Elternteilen nur dann (und selbst dann nicht immer!) eingeräumt, wenn BEIDE Elternteile einwilligen. Sagt die Frau "njet" - wie leider in den allermeisten Fällen, aus nur allzu durchsichtigen Gründen - dann hat der Mann von vornherein keine Chance. Er darf nur noch jeden Monat den größten Teil seines Einkommens abliefern und muß schon froh sein, wenn er seine Kinder wenigstens noch gelegentlich sehen kann. Rechte als Vater? Nur noch auf dem Papier, in der Praxis NULL.

 

Ich spreche aus eigener bitterer Erfahrung ...

 

Gruß Wally

 

In diesem Beitrag werden gleich eine Reihe Stereotype aufgeführt. Das Frauen durch ihre Arbeiten weniger verdienen als Männer liegt an ihrer mangelnden Berufsausbildung, d.h. also z.B. nicht an der Diskriminierung von Frauen im Berufsleben. Das sie in klassischen Frauenberufen ausgebildet wesentlich schlechtere Chancen haben, ist offensichtlich Schicksal. Männer werden dadurch zum Arbeiten gezwungen, obwohl sie viel lieber den Haushalt versorgen und die Kinder betreuen würden. Dies deutet implizit an, daß Hausarbeit jawohl die angenehmere Seite sei, aber der Mann muß ja nun mal ran 'und folglich zieht die Frau die Kinder auf'.

Und die Frauen verweigern dann 'aus nur allzu durchsichtigen Gründen' (Rachsucht ?), dem Mann seine Kinder. Dies erinnert nicht zufällig an den Mythos des Mißbrauch des Mißbrauchsvorwurfes.

 

Die aufgeführten Stereotype werden in anderen Beiträgen zum Teil relativiert aber auch um modernisierte Fassungen ergänzt, z.B. durch das Stereotyp der guten und bösen Feministinnen, das sich in Beispiel 7 findet, und z.B. auch in der Literatur der Männer'bewegung' auftaucht [12]. Böse Feministinnen sind lesbisch und vernachlässigen die Analyse der 'geschlechterproblematik' 'aus einem ganzheitlichen verständnis heraus'.

 

Beispiel 7 (Auszug)

 

Männer/Diskussion

Betreff: Re: Unterhaltspflicht, Jufgendamt u. Sexismus

Absender:  G G (männlicher Absender Name gekürzt)

14.11.94 - 12.19 Uhr (Sendedatum)

 

... mal davon abgesehen, daß keineswegs alle frauen sich zum feminismus bekennen, vertreten feministinnen auch ganz unterschiedliche meinungen. das reicht von den vetreterinnen einer strikten geschlechtertrennung, über thesen einer - gegenüber dem mann - besseren "weiblichen" natur, die agitatorinnen für ein ausschließlich lesbisch-sein der frauen, zu feministinnen die aus einem ganzheitlichen verständnis heraus die geschlechterproblematik und deren ursachen analysieren.

 

letzteren, denen ich mich verbunden fühle, geht es immer darum, wie könnten frau und mann zu einem möglichst wenig entfremdeten umgang miteinander kommen. vor allem wird die frage behandelt: was kann frau selbst tun, um diese ganze scheiße heute zu verändern. das impliziert natürlich das aufgeben festgeschriebener männlicher und weiblicher eigenschaften und verhaltensmuster und hinwendung zum persönlich-individuellen. ...

 

alles liebe, gerhard.

 

PS: irgendwie angenehm, daß ich mich nach einem solchen erguß um einiges besser fühle.

 

Die Verwendung extremster sexistischer Klischees erfolgt zwar nur von wenigen Teilnehmern, dies sind aber die Vielschreiber in den Brettern, die damit große Teile der Diskurse dominieren.

 

 

 

 

V Geschlechtsdifferentes Auftreten

 

Die Ausarbeitung bezieht sich auf einen Teil der männlichen Nutzer. Diese Vielschreiber, die sexistische Klischees reproduzieren, lassen sich von der Gruppe der anderen Nutzer nicht klar abgrenzen. Um auch Aussagen über diese Gruppe treffen zu können wäre eine weitergehende detaillierte Untersuchung der Texte notwendig. Die hier dargestellten Ergebnisse resultieren aus den Leseeindrücken, eine detaillierte statistische Auswertung fand nicht statt.

Deutliche Unterschiede lassen sich zwischen dieser eingeschränkten Gruppe männlicher Nutzer und den Nutzerinnen ausmachen.

 

Bezogen auf diese eingeschränkte Gruppe der Nutzer gilt.

Die Anzahl und Länge der Beiträge der männlichen Teilnehmer an Diskussionen ist erheblich größer als die der TeilnehmerInnen. Diese Gruppe männlicher Teilnehmer gibt die Themenauswahl weitestgehend vor. Die Männer gehen untereinander sehr viel ausführlicherer aufeinander ein als auf die übrigen TeilnehmerInnen. Gegenüber den übrigen TeilnehmerInnen wird häufiger ein polemischer Diskussionsstil  verwendet.

 

Ein Vergleich mit dem männlichen Sprachverhalten in Fernsehdiskussionen weist ähnliche Momente eines eher dominanten Sprachstils auf. 'Männer .. liefern aber (3) auch mehr Redebeiträge ohne jeden Bezug zum vorhergegangenen Redebeitrag. Männer stellen (4) mehr Scheinbezüge her, gebrauchen weiterhin (5) häufiger das Pronomen "wir" mit Bezug auf eine Identifikationsgruppe und haben (6) öfter den Zeigefinger erhoben.' ([13] Seite 304)

 

Die übrigen TeilnehmerInnen zeigen eher ein Diskussionsverhalten im Sinne eines positiven Sprachverhaltens wie es für Fernsehdiskussionen überwiegend bei Frauen anzutreffen ist.

'Frauen zeigen deutlich mehr Hörer/innenaktivität als Männer Sie liefern (1) mehr Statements und (2) mehr Widersprüche, während andere reden, und (3) vollenden häufiger die Sätze anderer Personen; Frauen geben (4) insgesamt mehr Unterstützungen,..' ([13] Seite 305)

Auch in diesem Punkt steht wie oben angemerkt eine genaue quantitative Auswertung aus.

 

Interessant wäre unter diesem Gesichtspunkt die Frauenstruktur Femnet zu untersuchen.

 

 

Ausgangsthese dieser Ausarbeitung war, daß das ritualisierte Sprechen in der Mailboxkommunikation funktional zur Darstellung der männlichen Geschlechtsidentität ist.

Die Auswahl der Themen innerhalb dieser beiden untersuchten Diskussionen ist in diesem Sinn wie gezeigt funktional. Zumindest zum Teil ist dies auf andere Diskussionen in diesen Brettern der Mailbox übertragbar. Die in III aufgeführte Angstlust  äußert sich nicht direkt, sie findet sich wieder im Frontier-Individualismus aber auch in aggressiven Angriffen und sexistischen Provokationen gegenüber Nutzerinnen und Frauenstrukturen. Die dargestellten Thesen erfassen aber nur einen Ausschnitt aus dem Nutzerverhalten. Die Nutzerinnen wurden nicht erfaßt.

 

 

 

 

 

 

VI Reaktion aus der Mailbox

 

Der erste Entwurf der Ausarbeitung wurde in den untersuchten Brettern zur Diskussion gestellt. Die Reaktionen werden im folgenden dargestellt.

Die beiden positiven Nachrichten wurden im Brett ohne Reaktion zur Diskussion gestellt, die negative Nachricht an mich persöhnlich abgesand. Ich hatte den Text bewußt geschlechtsneutral mit J.Djuren unterzeichnet.

 

Zuerst die beiden positiven Reaktionen.

 

Reaktion 1

 

F/CL/MAENNER/DISKUSSION

Betreff: Re: geschlechtskonstruktion in diesem br

Absender:  Denis U (Name und Email gekürzt)

Datum: Mo 25.09.95, 23:23 (erhalten: 27.09.95)

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Am Sa 23.09.1995 um 13:44:00 Uhr meinte ASTA.UNIH@OLN.comlink.apc.org (AStA der Universitaet Hannover)

zum Thema "geschlechtskonstruktion in diesem brett":

 

>J.Djuren

> c/o AStA Univesität Hannover

>

>

>Hallo,

>

>ich habe die Mailboxkommunikation bzgl. geschlechtlicher

>Selbstkonstruktion der TeilnehmerInnen untersucht. Dazu habe ich

>die Bretter Frauen/Diskussion, Frauen/Allgemein, Freie

>Liebe/Hetero, Männer/Diskussion und Männer/Allgemein zwei Monate

>im letzten Jahr dokumentiert (November/Dezember). Über diese

>Ausdrucke liegt jetzt der Entwurf einer Ausarbeitung vor. Ihr

>knnt ihn im AnschluA an diesen Text finden. Kritik ist immer

>interessant.

>

>          Grüße

 

Mit großer Freude habe ich den Text überflogen und werde ich ihn ganz lesen. Ich denke wir können uns viel Zeit und Mühen sparen, wenn ALLE an der laufenden Diskussion beteiligten ihn als Grundlage hernehmen.

Dann müßten wir nicht immer wieder das Rad neu erfinden und

berzeugungsarbeit leisten. Außerdem habe ich auch Dinge darin gefunden,

die ich bei mir ändern kann... :)

 

... (hier war der Text)

 

>VI Reaktion aus der Mailbox

>

>Der erste Entwurf dieser Ausarbeitung wurde in den untersuchten

>Brettern zur Diskussion gestellt. Die Reaktionen werden im

>folgenden dargestellt

 

Dieser Teil fehlt leider... Vielleicht wird er ja noch veröffentlicht?

 

Vielen Dank für das Posting dieses Textes. Kritik werde ich äußern wenn ich den Text zuende gelesen habe.

 

Gruß

 

-+* D.U. (Name gekürzt)*+- ____

                                          /       / _______

                                        /      /_/     ____/

                                        \____      __/

                                      ====  \__/  ======

                                      LOGOUT FASCISM!

 

Der Charakter (Lebensstil) eines Menschen wird in den ersten

sechs Lebensjahren entwickelt.

 

 

Reaktion 2

 

F/CL/MAENNER/DISKUSSION

Betreff: Re: geschlechtskonstruktion in diesem

Absender:  K B (Absenderin, Name und Email gekürzt)

Datum: Di 26.09.95, 20:05 (erhalten: 29.09.95)

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

                                                                                    Lahnau, Di 26.09.95, 20:01 Uhr

 

Hallo allerseits

 

>J.Djuren

> c/o AStA Univesität Hannover

>

Jetzt würde ich aber doch zu gerne wissen, welches Geschlecht

der/dieVerfasserIn hat. Doch wahrscheinlich weiblich, oder? :)

 

 

>ich habe die Mailboxkommunikation bzgl. geschlechtlicher

>Selbstkonstruktion der TeilnehmerInnen untersucht. Dazu habe ich

>die Bretter Frauen/Diskussion, Frauen/Allgemein, Freie

>Liebe/Hetero, Männer/Diskussion und Männer/Allgemein zwei Monate

>im letzten Jahr dokumentiert (November/Dezember). Über diese

>Ausdrucke liegt jetzt der Entwurf einer Ausarbeitung vor. Ihr

>knnt ihn im AnschluA an diesen Text finden. Kritik ist immer

>interessant.

 

Ich fand den Text höchst interessant, jedoch denke ich, daß

gerade die Diskussionen in letzter Zeit noch viel 'aussagekräftiger'

sind.

 

Übrigens fiel mir auf, daß nur die männliche Seite der 'Selbstkonstruktion der TeilnehmerInnen' erwähnt wurde. Wie die Frauen sich darstell(t)en, wurde ausgelassen.

 

K (Name gekürzt)

 

 

Die negative Reaktion

 

Reaktion 3

 

F/CL/MAENNER/DISKUSSION

Betreff: Re: geschlechtskonstruktion in d. Brett

Absender:  W F (männlicher Absender, Name und Email gekürzt)

Datum: Mi 04.10.95, 12:00 (erhalten: 06.10.95)

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

Hallo Asta. Unih,

 

Du meintest am 02.10.95 um 13:00 im Brett /CL/MAENNER/DISKUSSION zum Thema "geschlechtskonstruktion in d. Brett":

 

>J.Djuren

> c/o AStA Univesität Hannover

>

>Hallo

>

>ich habe die Mailboxkommunikation bzgl. geschlechtlicher

 

 

 

usw.

 

                                                               usw.

 

 

>IX Bemerkungen

>

>(1) Zum Begriff der Kategorie: Unterschiedliche Kategorialsysteme

>für die Bewertung von Füßen als groß oder klein sind z.B. Länge /

>Breite / Grundfläche (Plattfüße bevorzugt) / Höhe des Spann /

>Masse. Die unterschiedlichen Kategorialsysteme führen zu

>unterschiedlichen Zuordnungen, die Grenzen sind fließend.

 

 

 

Das war jetzt das dritte oder vierte Mal.

 

Wie oft willst du diesen Mist hier noch reinposten???????

 

Wütend

 

W (Name gekürzt)

 

Später eingegangene weitere negative Reaktionen konnten für diesen Text nicht mehr berücksichtigt werden.


 FIN

AutorIn: J.Djuren

 


Anfang


Am unteren Ende dieser Seite findet Ihr noch einen kurzen Text zum Verhältnis von Gender und biologischem Geschlecht, und zwischen Gender und Sex, bezogen auf die Schlüsse, die sich aus der Genderung des Cyberspace ergeben - Gender im Cyberspace

 





 

 

 

 

VII Literaturliste

 

[1] Achim Bühl, 'Cyberspace und Virtual Reality', Forum Wissenschaft 1/1995 Verbandszeitschrift BdWi Marburg

[2] Chaos Computer Club (Hrsg.), 'Hacker-Fibel', Hamburg 198(?)

[3] Chaos Computer Club Mitgliedszeitschrift, 'Hacker-Postille' , Hamburg 198(?)

[4] Iwar Werlen, 'Ritual und Sprache', Gunter Narr Verlag Tübingen 1984

[5] Wert Canzler, Sabine Helmers u. Ute Hoffmann, 'Die "Datenautobahn"', Forum Wissenschaft 1/1995 Verbandszeitschrift BdWi Marburg

[6] Rainer Rilling, 'On the other side of the Web...', Forum Wissenschaft 1/1995 Verbandszeitschrift BdWi Marburg

[7] Klaus Theweleit, 'Männerphantasien',

[8] Carolyn Merchant, 'Der Tod der Natur', Verlag C.H. Beck München 1987

[9] Thomas Leithäuser u.a., 'Lust und Unbehagen an der Technik', Nexus Verlag Frankfurt am Main 1991

[10] mündliche Äußerung eines FH-Studenten 1994

[11] Alexander Krafft u. Günther Ortman (Hrsg.), 'Computer und Psyche', Nexus Verlag Frankfurt am Main 1988

[12] Sam Kean, 'Feuer im Bauch'

[13] Ulrike Gräßel, 'Sprachverhalten und Geschlecht', Centaurus Verlag Paffenweiler1991

[14] E.T.A. Hoffmann,

[15] Elvira Scheich und Irmgard Schultz, Soziale Ökologie und Feminismus', IKO-Verlag für interkulturelle Kommunikation Frankfurt am Main 1989

[16] APC/ComLink, 'Informationsmappe', ComLink e.V.  An der Lutherkirche 6  30167 Hannover 1994

[17] Judith Butler,

[18] Bigga Rodeck u.a., 'Mensch! Maschine! - Mann! Frau!', Ausstellungskatalog der gleichnamigen Ausstellung am FB Informatik der Universität Hamburg 1991

 

 

 

 

 

VIII Bildnachweis

 

[a] Bigga Rodeck u.a., 'Mensch! Maschine! - Mann! Frau!', Ausstellungskatalog der gleichnamigen Ausstellung am FB Informatik der Universität Hamburg 1991

 

 

 

 

 

IX Bemerkungen

 

(1) Zum Begriff der Kategorie: Unterschiedliche Kategorialsysteme für die Bewertung von Füßen als groß oder klein sind z.B. Länge / Breite / Grundfläche (Plattfüße bevorzugt) / Höhe des Spann / Masse. Die unterschiedlichen Kategorialsysteme führen zu unterschiedlichen Zuordnungen, die Grenzen sind fließend.

 

 

 

 

 

Mailboxauszüge

 

Die hier untersuchten Mailboxauszüge können auf Nachfrage über den AK-ANNA - c/o Kunst Kultur Kommunikation e.V. - Schwarzer Bär 6 - 30449 Hannover - EMail: 3.Jahrtausend@gmx.net - eingesehen werden.

 

 

Fin

 

 


Anfang

 







Zuletzt aktualisiert 30.05.10



Webmistress




















































Gender im Cyberspace

An sich geht es um Sex, das biologische Geschlecht, nicht nur um Gender im Cyberspace. Wieso führt der Cyberspace zu einer Verstärkung des Glaubens an das biologische Geschlecht und zur Zuspitzung der Gender-Verhältnisse?
Wenn der erlebte Körper tatsächlich die Basis von Gender wäre, müßte Gender im Cyberspace weniger ausgeprägt sein, da im Cyberspace die Geschlechtswesen mit großer Distanz zur biologisch erlebten Realität Gender ausagieren. Tatsächlich wird Gender im Cyberspace aber sehr viel zugespitzter als in der körperlichen Realwelt ausagiert. Damit wird aus dem Agieren im Cyberspace deutlich, daß die erlebte Körperrealität nicht nur nicht der Ausgangspunkt der Gender-Konstrukte ist, sondern sogar daß umgekehrte Verhältnis gilt. Offensichtlich ist Gender im Cyberspace und in anderen sozialen Räumen die Basis der körperlichen geschlechtlichen Empfindung. Das heißt, an sich nicht überraschend, daß das Erleben von Gender im Cyberspace und anderen sozialen Räumen, die Grundlage für das körperliche Erleben von Sexualität und die eigene geschlechtliche biologische Wahrnehmung bildet.
Also nicht das biologische Geschlecht produziert Gender, sondern Gender produziert das biologische Geschlecht.
Dies gilt natürlich unabhängig vom Cyberspace, der Cyberspace tritt hier nur an die Stelle, bzw. ergänzt bisherige soziale Räume. Der Avatar im Cyberspace ist in diesem Sinn nichts anderes als die geschlechtlich konnotierte Bekleidung, der Habitus, die Interaktion mit der Gender ausgelebt und das biologische Geschlecht produziert wird.

Die Produktion von Gender und biologischem Geschlecht im Cyberspace kann insofern als Modellfall für die Produktion von Gender und biologischem Geschlecht allgemein gelesen werden. Der Zuspitzung der Gender-Verhältnisse im Cyberspace ist insofern einer der Ursachen des modernen Soziobiologismus der Geschlechter. Die Gender-Verhältnisse im Cyberspace werden durch chirurgische und andere Techniken der Manipulation des realen Leiben auch direkt auf diesen eingeschrieben.
Der Sexismus im Gender-Verhältniss im Cyberspace ist die Ursache der zunehmend sexistischeren Körperbilder im doppelten Sinn.
Einmal ist dies der Ort an dem Gender und das biologische Geschlecht heute für Jugendliche wesentlich mit (re)produziert wird und außerdem erlaubt die Virtualität des Cyberspaces überhaupt erst die extreme sexistische Zuspitzung von Gender und biologischem Geschlecht.

Solange Gender und biologisches Geschlecht in der Interaktion realer Leiblichkeit produziert wurden, waren der sexistischen Zuspitzung reale Grenzen gesetzt, da die leibliche Realität eine zweigeschlechtliche klare Aufsplittung als nackte Tatsache nicht zuläßt. Die nackten Tatsachen würden eher zu einem Kontinuum führen, bzw. zur Sonderstellung von fruchtbaren Frauen und sowieso nicht zu einer Gender-Kategorie. Die Einführung des sexuellen Dimorphismus ist nur bei angezogenen Körpern und Menschen möglich, wobei in diesem Sinn angezogen auch der nackte aber bewußt manipulierte Körper und entsprechende erworbene Körperhabiti sind. Der Avatar im Cyberspace ist in diesem Sinn nicht ge-gender-t sondern der Avatar ist ein gender-nder, genauso wie Kleidung nicht weibliche oder männlich konnotierte Kleidung ist sondern Kleidung die Weiblichkeit bzw. Männlichkeit produziert.

- Gender im Cyberspace ist also ein (Inter)Agieren das Gender und damit auch das biologische Geschlecht produziert.

- Und auf Grund der völligen Abkopplung von der realen geschlechtlich uneindeutigen Leiblichkeit, die jeden Dimorphismus ad absurdum führen würde, führt die Gender-ung im Cyberspace zu extremen Zuspitzungen und nachfolgend zu extremen gewalttätigen Zugriffen auf die reale Leiblichkeit um dieser den Geschlechtsdimorphismus aufzuzwingen.

- Dabei ist für diese Zuspitzung der Gender- und biologischen Geschlechtsverhältnisse nicht unbedingt der Cyberspace als Realität notwendig. Es geht hier mehr um die Gedankenfigur des Cyberspace und der entsprechenden Gedankenfigur der technischen Manipulierbarkeit des Körpers zur Erreichung, Produktion, eines ‚natürlichen' Ideals.
Diese Gedankenfigur beruht aber auf einem sehr viel älterem Verbrechen und findet sich bereits bei Platon und dem mathematischen Schönheitsideal der griechischen Statuenwelt. Mit der griechischen Ästhetik wurde die Irrealität der mathematischen Perfektion zum Realen verklärt und dass Reale als Irrtum der Natur und des Blickes aus der Repräsentation ausgeschlossen.
In diesem Sinn ist die sexistische Spielfigur Lara Croft und ihre gender-nde Körperfigur eine Fortsetzung des Platonismus im Cyberspace.

- Der Widerstand kann nicht darüber führen andere Bildwelten in den Cyberspace einzuführen und eine Art Gegen-gender-ung zu versuchen. Vielmehr muß der platonische Gedankengang aufgebrochen werden. Die Dekonstruktion von Geschlecht, Gender und biologischem Geschlecht, sollte vom Ort der Uneindeutigkeit ausgehen, also von der gelebten leiblichen sexuellen Realität und nicht vom Cyberspace.
Der Cyberspace ist der Ort an dem Gender und biologisches Geschlecht gerade widerspruchsfrei propagiert werden, weil hier die Widersprüche realer ambivalenter Leiblichkeit und Lust ausgeblendet werden können.


J. Djuren
Hannover 2008






Und noch einige interessante Links, was so im Netz zu finden ist zu den Themen Gender & Cyberspace;

- Unter - http://www.gwu.edu/~medusa/2001/cyberfem.html - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.vroma.org/~bmcmanus/presentation/gendcyber.html - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www-users.cs.york.ac.uk/~kimble/teaching/hi-2/topic_7.html - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.outreach.psu.edu/Users/afc1/thesis/eth.ch7.html - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.press.umich.edu/jep/06-01/desser.html - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.ibiblio.org/cmc/mag/1995/feb/last.html - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.uiowa.edu/~commstud/resources/GenderMedia/cyber.html - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.math.upatras.gr/~mboudour/articles/gender@cyberspace.html - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.kuni.org/v/abs/abs-tg.htm - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://web.mit.edu/womens-studies/www/archive/virtue&virtuality.pdf - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www-user.uni-bremen.de/~jcoberg/gendercyb.html - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://cyberwerks.com/wired_women/index.html - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://feminism.eserver.org/gender/cyberspace/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.is-watch.net/node/537 - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.mith2.umd.edu/WomensStudies/Computing/Articles+Research
Papers/cross-gender-communication - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace
- findet Ihr Texte und Texthinweise zum Thema Gender im Cyberspace, die diesem hier veröffentlichten meist widersprechen aber ohne empirische Belege. Außerdem begehen viele dieser Texte einen entscheidenden Denkfehler; für die dekostruktion von Geschlecht, ist entscheidend wie die virtuellen dentitäten angelegt werden, ob sie explizit binär sexuell kodiert sind oder dies unterlaufen, es ist dabei vollständig irrelevant ob das Klischee Mann oder das Klischee Frau von einer Frau oder einem Mann reproduziert wird. Der Sexismus wird schon alleine durch die sexistische Kodierung der virtuellen Figuren reproduziert. Das z.B. Frauen binär kodieerte heterosexuelle virtuelle Figuren nutzen opder umgekehrt hat keinerlei subversiven Gehalt, auch in der realen Alltagswelt werden von 'beiden' Geschlechtern Stereotype über beide Geschlechter reproduziert. Ein Problem vieler dieser Texte ist, daß es nicht adäquat, daß heißt ein Tabu, ist die Informationstechnologien grundsätzlich zu kritisieren, insbesondere feministische Frauen, die dies tun, müssen mit ihrer sofortigen Stigmatisierung rechnen. Dies führt dazu, daß das Thema Gender im Cyberspace nicht voll erfaßt werden kann, da es auf grundsätzliche strukturelle sexistischen Gewalt der binären Ordnungssysteme und entleiblichten Kommunikation verweist. Der Computer wurde halt als männliches Reservat gebaut, denn in der bestehenden sexistischen Ordnung, ist 'der Mann' auch körperlos ein vollwertiges Subjekt, bzw. gerade dadurch ist er es im besonderen Maße, da ihn der Körper ansonsten immer wieder auf die Abhängigkeit vom Geborenwerden und damit von Weiblichkeit verweist. Im Cyberspace ist also der Mann endlich ganz Mann, da er sich hier zumindest dem schein nach von reproduktiven Zwängen entkoppelt hat. Für die Frau bedeutet die Entleiblichung in der bestehenden sexistischen Ordnung aber den Verlust ihrer geschlechtlichen Identität.

- Unter - http://www.gender-killer.de/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://de.indymedia.org/gender/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - findet Ihr interessante kritische Texte und Initiativen zum Thema Gender.

- Unter - http://www.uni-koeln.de/phil-fak/englisch/datenbank/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www2.gender.hu-berlin.de/gendermediawiki/index.php/Hauptseite - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.gps.uni-hannover.de/gender/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.gender.hu-berlin.de/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.ruendal.de/aim/gender.html - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.stiftung-frauenforschung.de/body_index.html - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.frauenforschung.fh-kiel.de/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.genderstudies-hamburg.de/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.gender.uni-kiel.de/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.zag.uni-freiburg.de/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - findet Ihr Links zur Gender-Forschung.

- Unter - http://www.gender-mainstreaming.net/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.fes.de/gender/gm.htm - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.genderkompetenz.info/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.gender.de/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.genderundschule.de/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://gender.verdi.de/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.g-i-s-a.de/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.gtz.de/de/themen/politische-reformen/897.htm - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://web.fu-berlin.de/gender-kompetenz/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.genanet.de/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.bpb.de/die_bpb/GN6Z7D,0,0,Gender_Mainstreaming.html - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.asfh-berlin.de/index.php?id=613 - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.berlin.de/sen/waf/gm/index.html - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - findet Ihr die aktuelle weichgespülte Variante des Feminismus - Gendermainstreaming -, die leider die klare und notwendige Erkenntnis der relevanten nach wie vor realen (als gesellschaftlicher Struktur) Interessengegensätze und Gewaltverhältnisse zwischen vom Sexismus profitierenden Männern (& wenigen Frauen) und antisexistischen Aktiven negiert.

- Unter - http://de.wikipedia.org/wiki/Gender - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - findet Ihr Definitionen zum Begriff Gender.

- Unter - http://de.wikipedia.org/wiki/Cyberspace - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - findet Ihr den Wiki zu Cyberspace.

- Unter - http://www.ganz-muenchen.de/oktoberfest/fahrgeschaefte/
modern/cyber_space/beschreibung.html - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace
- und - http://www.cyberspace.de/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.cyberspace-spielcenter.de/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - findet Ihr Infos dazu, was noch so Alles Cyberspace genannt wird.

- Unter - http://www.trinity.edu/~mkearl/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - findet Ihr weitere Infos zum Cyberspace.

- Unter - http://www.heise.de/tp/r4/artikel/1/1028/1.html - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.cybergeography.org/atlas/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.cli.org/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.whitehouse.gov/pcipb/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - und - http://www.hgb-leipzig.de/daniels/vom-readymade-zum-cyberspace/ - Externer Link zu den Stichworten Gender & Cyberspace - findet ihr Texte & Anderes rund um den Cyberspace.









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